Umverteilung von unten nach ganz unten



 

Keine zehn Tage, nachdem die Zürcher Sozialvorsteherin Monika Stocker vorgeschlagen hatte, mit 1000-Franken- Jobs Fürsorgebeziehende wieder im Arbeitsprozess zu integrieren, meldete Guglielmo Brentel, Präsident der Zürcher Hoteliers das Interesse seiner Branche an den staatlich subventionierten Jobberinnen und Jobbern an. Ungelernte wie Portiers oder Putzfrauen sollten künftig für 2000 Franken arbeiten. Schon jetzt hält sich die Hälfte der Betriebe im Gastgewerbe nicht an die Vorgaben des Gesamtarbeitsvertrages. Bei dessen Erneuerung setzte die Unia deshalb auf vermehrte Kontrollen und verschärfte Sanktionen für fehlbare Betriebe. Mit Erfolg: Die Branchenkonferenz Gastgewerbe billigte am 6. Juni den neuen GAV, der eine Verdoppelung der jährlichen Kontrollen vorsieht.

7 Gründe gegen 1000-Franken-Jobs

 

Spezielle Beschäftigungsangebote für Ausgesteuerte in den Gemeinden sind sinnvoll. Staatlich verbilligte Arbeit auf dem normalen Arbeitsmarkt schafft jedoch nur Probleme und Druck für die Arbeitnehmenden.

 

  1. Arbeit hat ihren Preis. Wer voll arbeitet, muss davon leben können. Das ist für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Frage der Würde und für Arbeitgeber eine Frage des Anstands.

  2. 1000-Franken-Jobs gefährden die GAV-Mindestlöhne. In mehreren Tieflohnbranchen konnten die Gewerkschaften trotz Widerstand Mindestlöhne von 3000 und mehr Franken durchsetzen. Das wird nun in Frage gestellt.

  3. 1000-Franken-Jobs führen zur Umverteilung von unten nach ganz unten. Damit wenige Leute zuallerunterst eine Billigarbeit bekommen, geraten Lohnabhängige in den untersten Lohngruppen unter Druck. Nötig wäre aber eine Umverteilung von oben nach unten.

  4. Keine Löhne unter 3000 Franken! Und keine Löhne unter 4000 Franken für Beschäftigte mit Ausbildung und Berufserfahrung! Viele Arbeitnehmende verdienen netto keine 3000 Franken und haben keinen 13. Monatslohn. Viele verdienen trotz Lehrabschluss oder langjähriger Erfahrung keine 4000 Franken.

  5. Gute Wirtschaftspolitik statt Förderung von Billigjobs! Für die Förderung von Wirtschaft und Beschäftigung brauchen wir nicht Billigjobs, sondern im Gegenteil mehr Lohn, damit der Binnenmarkt gestärkt wird.

  6. 1000-Franken-Jobs sind Dynamit für die Personenfreizügigkeit. Ohne zwingende Mindestlöhne gerade in Tieflohnbereichen öffnet sich die Schleuse für Lohn- und Sozialdumping.

  7. 1000-Franken-Jobs entlasten die öffentlichen Finanzen nicht. Im Gegenteil: Geknackte Mindestlöhne ergeben mehr Sozialhilfeabhängige.