Interview mit Alleva Vania am Weltsozialforum Nairobi

Vania Alleva, welches sind Ihre Eindrücke in Kenia?
Vania Alleva: Wie bitte? Ich habe die Frage nicht verstanden. Um mich herum ist es sehr laut.

Wieso das?

Ich stehe im Stadion, wo das Forum stattfindet, auf einer Terrasse. Unten auf dem Areal gibt es permanent kleine Demos von afrikanischen Gruppen – dabei wird laut gesungen und getanzt.

Ihre ersten Erkenntnisse?

Es ist erstaunlich, dass die grosse Armut die sozialen Bewegungen nicht lahm legt. Am eindrücklichsten ist die Power der afrikanischen Frauen. Obwohl sie hier oft alleine das Überleben ihrer Familien sichern müssen, kämpfen sie mit unglaublich viel Energie für eine bessere Gesellschaft. Zum Beispiel gegen die Ausbreitung von Aids.

Am Sozialforum hat der Internationale Gewerkschaftsbund mit anderen Organisationen die Kampagne «Menschenwürdige Arbeit für alle» lanciert. Wieso gerade dort?
Weil es entscheidend ist für den Erfolg dieser dreijährigen Kampagne, dass sie nicht nur von Gewerkschaften, sondern auch von sozialen Bewegungen getragen wird. Zum Beispiel von Frauenorganisationen oder kirchennahen Gruppierungen, von denen es etwa in Kenia sehr viele gibt. Ausserdem gibt es in jedem Land unwürdige Arbeitsbedingungen – im Süden genauso wie im Norden. Jedes Land muss die Kampagne nun an die spezifischen Probleme anpassen.

Ist diese Umsetzung in Nairobi auch Thema?

Teilweise ja. An einem Workshop haben wir Ideen für eine länderübergreifende Arbeitssicherheits-Kampagne im Hinblick auf die Fussball-WM 2010 in Südafrika konkretisiert. Tags darauf habe ich diese Kampagne an einer Veranstaltung der internationalen Baugewerkschaften präsentiert. Für die WM wird in Südafrika vieles gebaut werden. Es ist wichtig, dass die Gewerkschaften die Arbeitssicherheit auf den Baustellen im Auge behalten. Wir wollen der südafrikanischen Baugewerkschaft zeigen, was die Unia in der Schweiz für mehr Arbeitssicherheit unternimmt, welche Kontrollmechanismen wir anwenden, wie wir die Arbeiter gewerkschaftlich organisieren und Streiks auf die Beine stellen. Geplant sind Besuche von südafrikanischen Vertretern in der Schweiz und Schulungen in Südafrika.

Wie setzt die Unia die Kampagne in der Schweiz um?

Wir werden die prekären Arbeitsverhältnisse in der Schweiz thematisieren. Die Hauptprobleme hier sind die Zunahme von unsicheren Temporärjobs und Arbeit auf Abruf. Wir werden unser Augenmerk auch auf Frauen sowie Migranten in prekären Jobs richten.

Interview: Barbara Spycher