Medienkonferenz der Gewerkschaft Unia: 13. November 2006
Unia fordert von Migros: Respektierung der Gewerkschaftsrechte und Fortschritt statt Abbau im GAV
Die gewerkschaftsfeindliche und unsoziale Politik der Migros führt in die Sackgasse“, stellte Andreas Rieger, Leiter des Sektors Dienstleistungsberufe der Gewerkschaft Unia, an der heutigen Medienkonferenz fest.
Im Oktober 2006 hat Migros erneut einen Prozess gegen Unia verloren, diese Tage ist die Rekursfrist ungenutzt abgelaufen. Sechs Gerichte hatten unterdessen die Klagen von Migros gegen Unia-MitarbeiterInnen, die vor Einkaufszentren Informationsblätter verteilten, abgewiesen - unter anderem mit dem Verweis auf die in der Bundesverfassung verankerte Koalitionsfreiheit.
Die systematische Verhinderung und Verfolgung gewerkschaftlicher Aktivität steht auch im Widerspruch zu internationalen Konventionen, deren Inhalte Migros für Lieferanten verbindlich erklärt. So verlangt Migros, dass „die Lieferanten die Rechte aller ArbeitnehmerInnen anerkennen, Gewerkschaften zu gründen, ihnen beizutreten ...“ und fordert explizit, den Gewerkschaften den „Zugang zu allen Arbeitsstätten“ zu gewähren. „Was Migros von allen Zulieferern im In- und Ausland verlangt, soll sie endlich auch den Gewerkschaften in der Schweiz gewähren“, forderte Andreas Rieger.
Neuer Migros-GAV: Ein Schritt vorwärts und zehn Schritte zurück Migros stellt den kürzlich erneuerten Gesamtarbeitsvertrages öffentlich als Verbesserung für die ArbeitnehmerInnen dar. In der Realität enthält er eine Reihe von ungeheuerlichen und unsozialen Verschlechterungen für die Migros-Angestellten.
Einige Beispiele:
- Mütter werden schlechter gestellt: Migros kann zukünftig Leistungen zurückfordern, wenn das Arbeitsverhältnis nach dem Mutterschaftsurlaub nicht mindestens 6 Monate fortgesetzt wird. Neu verlangt Migros, die „Schwangerschaft dem Unternehmen umgehend nach Kenntnisnahme anzuzeigen.“ Diese Bestimmung ist nicht nur ein unwürdiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, sondern auch rechtlich nicht haltbar.
- Höhere Arbeitszeit, Verschlechterung bei den Ferien: Die Arbeitszeit kann zukünftig in einem Teil der Migros-Betriebe auf bis zu 43 Stunden erhöht werden, ohne Lohnausgleich. Ferien müssen nicht mehr – wie bisher - im gegenseitigen Einvernehmen festgelegt werden. Die neue Überstunden-Regelung bedeut, dass pro Woche bis zu 59 Minuten Gratisarbeit geleistet werden muss.
- Mit Zusatzvereinbarungen ist es jederzeit möglich, zu Ungunsten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den M-LGAV-Regelungen betreffend Arbeitszeit, Löhne, 13. Monatslohn, Ferien, bezahlter Urlaub abzuweichen.
Keine einzige der zahlreichen Verschlechterungen hat Migros kommuniziert. „Der Migros-GAV ist zudem bei den Angestellten gar nicht abgestützt“, stellte Robert Schwarzer, Unia-Branchenverantwortlicher für den Detailhandel, fest. Die Gewerkschaft Unia, welche den Grossteil der organisierten Migros-Angestellten repräsentiert, ist am Vertrag nicht beteiligt. Nur zwei Berufsverbände, welche einen Bruchteil der Beschäftigten organisieren, haben den GAV unterzeichnet.
Schäbiger Lohnabschluss bei Migros
Bei den Mindestlöhnen herrscht bei Migros Stillstand. Sie bleiben auch 2007 im Tessin und im Wallis bei schäbigen 3300 Franken, in den übrigen Kantonen (ausser Genf und Zürich) bei zu tiefen 3400 Franken. Damit liegt Migros um mehrere hundert Franken hinter den übrigen grossen Detailhändlern.
Was die Anpassung der Effektivlöhne betrifft, weigert sich Migros nach wie vor, generelle Erhöhungen zu gewähren. „Auch nächstes Jahr wird es bei Migros wieder eine Reihe von MitarbeiterInnen geben, die nicht einmal die Teuerung ausgeglichen erhalten“, kritisierte Catherine Laubscher, Unia-Branchenverantwortliche für den Detailhandel. Unia hat im Tessin die Migros-Lohnerhöhungen per 2006 mit einer Umfrage bei rund 400 MitarbeiterInnen von Migros untersucht: Während Migros im vergangenen Jahr stolz 2 Prozent Lohnerhöhung, ausgerichtet nach Funktion und Leistung, verkündete, bekamen 67 Prozent der befragten MitarbeiterInnen zwischen 0 und 50 Franken (= maximal 1,2 Prozent des durchschnittlichen Lohns). „Darum fordern wir generelle Lohnerhöhungen“, so Laubscher, „damit bei allen zumindest die Kaufkraft erhalten bleibt.“
