Lohngleichheit Frau – Mann

Die Unia geht seit 2009 zwei begründeten Verdachtsfällen von Lohndiskriminierung bei der Migros in Neuchâtel und im Tessin nach.

Lohngleichheitsklage Neuenburg

Die ehemalige Migros-Verkäuferin Catherine Reid verdiente bei gleichwertiger Arbeit 300 Franken pro Monat weniger als ein jüngerer, männlicher Kollege. Diese Lohndiskriminierung beeinflusst auch die Höhe ihrer IV-Rente. Unterstützt von der Unia reichte sie bei Gericht eine Klage ein. Gemeinsam konnte ein erster Etappensieg errungen werden. Das Arbeitsgericht Neuenburg muss ein Gutachten einholen, dass die typischen Tätigkeiten von Kassiererinnen und Verkäuferinnen mit denjenigen ihrer männlichen Kollegen vergleicht. In einem früheren Urteil kam das Gericht noch zum Schluss, dass eine Lohndiskriminierung von 8 – 10% keine detaillierte Überprüfung erfordere.

Lohngleichheitsklage Tessin

Im Oktober 2010 reichte die Unia eine Verbandsklage gegen die Migros Tessin ein. Eine von der Unia in Auftrag gegebene Studie analysierte 60 Lohnausweise und Tätigkeitsgebiete von verschiedenen Angestellten der Migros Tessin. Sie kam zum Schluss, dass Verdacht auf eine Lohndiskriminierung der Frauen von 13% besteht. Das Gericht ordnete die Durchführung eines wissenschaftlichen Gutachtens an, welches die Löhne der Migros-Angestellten einer systematischen Analyse unterzieht.

Lohngleichheitsklagen

Lohngleichheitsklagen in der Privatwirtschaft sind bisher sehr selten, da die Arbeitnehmerinnen um ihre Arbeitsplätze fürchten. Gerade im Detailhandel, in dem viele Frauen arbeiten, würden faire Löhne die Wertschätzung der Arbeitgeber gegenüber ihren weiblichen Angestellten zum Ausdruck bringen. Bis auf ein Unternehmen war jedoch kein Detailhandelsunternehmen bereit, sich dem sozialpartnerschaftlichen Lohngleichheitsdialog anzuschliessen.