Lohn(un)gleichheit im internationalen Vergleich

Lohn(un)gleichheit im internationalen Vergleich

Lohngleichheit: Schweiz im Rückstand

Die Schweiz droht bei der Lohngleichheit den Anschluss ans Ausland zu verlieren. Hierzulande verdienen Frauen für gleiche Arbeit fast einen Fünftel (18.9%) weniger als Männer – womit die Schweiz weit über dem OECD-Schnitt von 15.2% liegt und auch europaweit einen der hintersten Ränge belegt.

Die Unia und die anderen Gewerkschaften forderten deshalb von der Politik, dass diese rasch verbindliche Massnahmen samt Kontrollen und Sanktionsmöglichkeiten umsetzt. Immerhin ist eine entsprechende Gesetzesrevision geplant.

Die Vorreiter

Länder wie Schweden, Österreich und Belgien gehen diskriminierende Löhne schon jetzt mit staatlichen Kontrollen und Massnahmen zur Lohntransparenz an – und fahren gut damit. Weitere Staaten wie Deutschland folgen.

  • Schweden: alle 3 Jahre Gehälter überprüfen
    Das schwedische Antidiskriminierungsgesetz von 2009 verlangt, dass die Arbeitgeber alle drei Jahre eine Gehaltsüberprüfung vornehmen, um diskriminierende Lohnunterschiede zu beheben. Zudem müssen Unternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten zusammen mit den Arbeitnehmendenorganisationen einen Aktionsplan für die Lohngleichheit erstellen. So konnte der Lohnunterschied seit 2008 um 1.7 Prozentpunkte auf 15.2% (2013) gesenkt werden.

  • Österreich: Berichte zur Lohngleichheit veröffentlichen
    Auch Österreich verpflichtet die Unternehmen seit 2011 zur zweijährlichen Veröffentlichung von Berichten zur Lohnungleichheit. Diese ist rückläufig und konnte zwischen 2011 und 2012 um weitere 0.4 Prozentpunkte auf 18.2% verringert werden.

  • Belgien: alle 2 Jahre Analyse der Gehaltsstruktur
    Belgien weist mit 6.4% (2012) eine vergleichsweisse tiefe Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern auf. Seit 2012 sind Unternehmen verpflichtet, die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern jährlich in einer Sozialbilanz darzulegen. Alle zwei Jahre müssen sie zudem eine vergleichende Analyse der Gehaltsstruktur von Frauen und Männern erstellen. Treten dabei diskriminierende Unterschiede zu Tage, müssen die Unternehmen einen Aktionsplan für Lohngleichheit ausarbeiten.

  • Deutschland: Transparenz in Sachen Einstufung und Lohn schaffen
    Deutschland erwartet noch dieses Jahr einen Gesetzesentwurf, der die Schaffung von Lohntransparenz zum Ziel hat. Jede Beschäftigte soll das Recht haben zu erfahren, nach welchen Kriterien ihre Tätigkeit eingestuft wird. Ausserdem sollen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten künftig über ihre Aktivitäten zur Umsetzung der Lohngleichheit berichten müssen.

Und in der Schweiz?

Das in der Schweiz entwickelte Instrument Logib erlaubt Unternehmen eine einfache Überprüfung ihrer Löhne auf Diskriminierung und ist inzwischen europaweit im Einsatz: Deutschland, Luxemburg, Finnland, Polen, Grossbritannien, Frankreich und Portugal verwenden Logib. Entsprechend geht in der EU die Lohndifferenz zurück, von 17.3% 2008 auf 16.2% 2011. In der Schweiz hingegen hat die Lohnungleichheit von 2010 auf 2012 gar wieder zugenommen.

Endlich handeln!

Die öffentliche Diskussion um gesetzliche Massnahmen gegen Lohndiskriminierung hierzulande blendet diese europäischen Trends aus. Vielmehr vermittelt sie den Eindruck, dass die Schweiz mit der geplanten Gesetzesrevision riskantes Neuland betrete. Es wird behauptet, gesetzliche Massnahmen seien wirtschaftsfeindlich und in der momentanen Situation der Frankenstärke sowieso nicht zu rechtfertigen. Dabei steht es der Schweiz gut an, in der Gleichstellungspolitik für einmal nicht als europäisches Schlusslicht dazustehen, wie dies schon beim Frauenstimmrecht der Fall war.