Gegen Wildwuchs im Gastgewerbe

Die Unia Branchenkonferenz Gastgewerbe fordert konkrete Massnahmen gegen die negativen Folgen der Liberalisierungspolitik der letzten 25 Jahre. Als stark betroffene Branche wendet sie sich zudem gegen die Ausgrenzung von Migrant/innen und die Ecopop-Initiative.

Die Unia-Branchenkonferenz Gastgewerbe vom 1. September beschäftigte sich mit den schwierigen Arbeitsverhältnissen in vielen Betrieben. Die Aufhebung der Bewilligungspflicht für Gastgewerbetriebe hat entgegen den Versprechungen der Liberalisierungsturbos nicht zu einer Win-win-Situation für alle Beteiligten - Arbeitnehmende, Gäste und Arbeitgeber – geführt.

Vielmehr prägen  betrügerische Konkursen, nicht einbezahlte Sozialversicherungsbeiträge, schlecht ausgebildete Arbeitgeber und Lohndumping den Arbeitsalltag. Es gibt zu wenige Kontrollen und die Qualität der Dienstleistungen nimmt ab. Unter den Betrieben tobt ein harter Konkurrenzkampf, der zu unzähligen Gesetzes- und Vertragsverstössen auf Kosten der Arbeitnehmenden führt.

Konkrete Massnahmen gefordert

Um wirksam Gegensteuer zu geben, fordern die Konferenzteilnehmer/innen

  • wer einen gastgewerblichen Betrieb führen will, muss über gastgewerbliche Erfahrung und eine geeignete Ausbildung verfügen
  • verbesserte Kontrollen des Gesamtarbeitsvertrags (L-GAV) in allen Kantonen
  • einen obligatorischen Einführungskurs zum L-GAV für alle Betriebsleiter/innen und Arbeitnehmenden, organisiert von den Sozialpartnern
  • die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der paritätischen Aufsichtskommission des L-GAV und den kantonalen Behörden (Arbeitsinspektorate u.a.)
  • die Revision der kantonalen gastgewerblichen Gesetzgebung
  • gesetzliche Massnahmen gegen betrügerische Konkurse.

Nein zu Kontingenten und Ecopop

Im Gastgewerbe arbeiten viele Menschen ohne Schweizer Pass. Sie sind aktuellen fremdenfeindlichen Vorschlägen stark betroffen. In einer Resolution lehnen die Konferenz-Teilnehmenden die Vorschläge des Bundesrates zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative als diskriminierend ab. Sie führen zu einer Zunahme prekärer Kurzaufenthalts-Anstellungen von weniger als vier Monaten und damit von Arbeitnehmenden mit schwachen rechtlicher Stellung, was dem Lohndumping Vorschub leistet. Eine klare Absage erteilten sie auch der fremdenfeindlichen Ecopop-Initiative.