Arbeitsbedingungen im Detailhandel auf dem Prüfstand

Bestnoten für Coop in der Detailhandels-Studie

Die Gewerkschaft Unia hat eine unabhängige Studie veröffentlicht, welche die Arbeitsbedingungen von sechs grossen Detailhandelsunternehmen vergleicht. Sie zeigt klar, wo die Schwachstellen liegen: Nebst den noch immer tiefen Löhne sind es vor allem die mangelhafte Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die fehlende Förderung der Weiterbildung. Und: Vier der sechs Firmen haben noch immer keinen Gesamtarbeitsvertrag.

Bei der Studie, welche die Ratingagentur Inrate durchführte, machten sechs von 15 angefragten grossen Detailhändler mit: Coop, Aldi, Lidl, H&M, Volg sowie ein grosser Schuhhändler. Insgesamt am Besten schnitt Coop ab; der Grossverteiler punktet vor allem bei den Sozialleistungen, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Unterstützung bei der Kinderbetreuung) sowie der Sozialpartnerschaft (GAV). Auf Platz 2 liegt Lidl, gefolgt von Aldi, Volg und H&M. Das Schlusslicht bildet der Schuhhändler.

Tiefe Löhne und wenig familienfreundlich

Die Studie wurde am 16. Dezember den Medien vorgestellt. Dabei erklärte Vania Alleva, Co-Präsidentin der Unia, dass die (Mindest-) Löhne in den letzten Jahren dank gewerkschaftlicher Kampagnen zwar gestiegen sind. Dennoch bleibe der Detailhandel «eine Tieflohnbranche mit teils prekären Arbeitsbedingungen». Muriel Chenaux, Unia-Verantwortliche für den Detailhandel,  verwies auf die sehr schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den meisten Firmen: «Gerade im Detailhandel mit seinen vielen weiblichen Beschäftigten, seiner 6-Tagewoche und den immer längeren Abendöffnungszeiten wären betriebliche Kinderbetreuungsangebote dringend notwendig», betonte sie.

Weiterbildung fördern

Akuten Handlungsbedarf ortete Natalie Imboden, Leiterin Detailhandel bei der Unia, zudem bei der Aus- und Weiterbildung. Ausbildung und Berufserfahrung schlügen sich viel zu wenig in den Löhnen nieder und die Weiterbildung werde kaum gefördert. Dabei seien gut ausgebildete und motivierte Mitarbeitende im Detailhandel «das A und O für den Erfolg», so Imboden.

Für einen Branchen-GAV

Ausserordentlich schlecht steht es bei den untersuchten Firmen (und im Detailhandel insgesamt) um die Sozialpartnerschaft. Nur zwei (Coop und Lidl) der sechs untersuchten Firmen haben einen Gesamtarbeitsvertrag.  Die Unia-Vertreterinnen forderten die Firmen auf, endlich Hand zu bieten für einen Branchen-GAV und die Arbeitsbedingungen substanziell zu verbessern.