Informationssystem Allianz Bau: Durchbruch der Vertragspartner

Nico Lutz, Sektorleiter Bau der Unia, setzt sich in der «Kolumne zum Donnerstag» im «Baublatt» mit dem Informationssystem Allianz Bau (Isab) auseinander.

Im vergangenen Jahr haben die Vertragspartner im Bauhauptgewerbe mit dem Konflikt um den Landesmantelvertrag und die Frühpensionierung von sich reden gemacht. Die Auseinandersetzung war heftig, der Ton zum Teil gehässig. Am Schluss haben wir eine faire Lösung gefunden. Das war wichtig für die gesamte Branche.

Der wirkliche Durchbruch, den die Vertragspartner im vergangenen Jahr erzielt haben, fand aber abseits des Rampenlichts statt. Es geht um das Informationssystem Allianz Bau (Isab). Zum ersten Mal in der achtzigjährigen Geschichte der Gesamtarbeitsverträge (GAV) haben sich die Vertragspartner des Bauhaupt- und Bauneben­gewerbes branchen- und regionsübergreifend in einem Verein organisiert. Das Ziel: ein gemeinsames Instrument zu schaffen, um erstens die Einhaltung von GAV besser kontrollieren zu können und zweitens den Bauherren ein wirksames Instrument in die Hand zu geben, um die Aufträge an korrekte Firmen zu vergeben.

2018 hat der Verein Informationssystem Allianz Bau (Isab) solidarisch finanziert durch die Sozialpartner und ihre Vollzugsorgane ein gemeinsames System aufgebaut: Eine Firmen­datenbank, die Auskunft gibt, welche Firmen welchem GAV unterstellt sind, ob sie kontrolliert wurden und was das Ergebnis der Kontrolle war. Eine einheitliche und interpretierbare GAV-Bestätigung für die Vergabestellen und eine Isab-Card, welche aussagekräftige Informationen enthält. Das ist ein Quantensprung im GAV-Vollzug. Und es ist alles andere als selbstverständlich, dass neben dem Säbelrasseln in den Vertragsverhandlungen die Umsetzungsarbeiten von Isab ungebremst weitergingen. Das ist ein Zeichen dafür, dass sowohl der Baumeisterverband wie auch die Gewerkschaften in der Lage sind, gemeinsame Interessen in den Vordergrund zu stellen und professionell zu arbeiten.

Isab und die Isab-Card sind einzigartig. Es gibt auch verschiedene Konkurrenzsysteme auf dem Markt, die aber keinerlei aktuelle Informationen aus den real erfolgten Kontrollen der Sozialpartner enthalten. Sie beruhen einzig auf einem System der Selbstdeklaration. Eine Firma deklariert selber, dass sie ihren Mitarbeitenden die korrekten Löhne zahlt. Ein solches System ist sehr aufwendig für die Firmen und enthält keine verlässlichen Informationen. Isab funktioniert umgekehrt. Die Firma muss einzig ihre Mitarbeiterdaten einliefern, von der Firmendatenbank von Isab kommen die Informationen aus der real erfolgten Kontrolltätigkeit der Vollzugsorgane der Sozialpartner.

Auf die Art und Weise, wie wir die Auseinandersetzung um den Landesmantelvertrag und die Frührente geführt haben, können die Vertragsparteien nicht sehr stolz sein. Auf die Art und Weise wie sie beharrlich, mit viel Einsatz und auch in kurzer Zeit Isab aufgebaut haben, hingegen schon. Auch das war kein einfacher Prozess. Es ist uns aber gelungen gemeinsam Lösungen zu finden – ausserhalb des Rampenlichts.