Covid-19: Schutz des Gesundheitspersonals jetzt verbessern!

Übergabe des offenen Briefs des Gesundheitspersonals an den Bundesrat

Niemand weiss, was die Folgen der Corona-Pandemie für die Gesundheitsfachkräfte sind. Die Situation in der Schweiz muss dringend überwacht werden, damit die Schutzmassnahmen entsprechend verbessert werden können. Gewerkschaften, Berufsverbände und NGO fordern in einem offenen Brief an den Bundesrat eine unabhängige Untersuchung.

Die rund zwanzig Gewerkschaften, Berufsverbände und NGO sowie mehr als 3'000 Personen, davon 1'500 Gesundheitsfachkräfte, fordern vom Bundesrat dringend eine unabhängige Untersuchung zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Gesundheitspersonal. Die Forderungen wurden heute mit Amnesty International überreicht.

Im offenen Brief, den auch die Unia unterzeichnet hat, wird weiter eine Evaluation der Massnahmen zur Krisenbewältigung gefordert. «Der Bundesrat muss die Auswirkungen der Krise auf die Grundrechte der Menschen untersuchten, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, und er muss die Massnahmen evaluieren, die zu ihrem Schutz getroffen wurden», sagt Pablo Cruchon, Kampagnenverantwortlicher bei Amnesty International Schweiz. In den Gesundheitsberufen gibt es besonders viele Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Dies muss in der Analyse deshalb speziell berücksichtigt werden.

Ohne Daten keine Verbesserungen

Weltweit haben mindestens 7000 Gesundheitsangestellte den Kampf gegen das Virus mit ihrem Leben bezahlt. In der Schweiz liegen bis heute keine genauen Daten über die Folgen der Pandemie für diese Berufsgruppen vor. Mit Beginn der zweiten Welle braucht es nun endlich mehr Transparenz zu Ansteckungen und Todesfällen im Gesundheitswesen. Dafür ist eine echte Überwachung der Situation des Gesundheitspersonals notwendig, damit die Schutzmassnahmen entsprechend verbessert werden können.

Pflege und Betreuung von älteren Menschen besonders schwierig

«Es ist wichtig, dass die Arbeitsbedingungen aller Pflegenden – und nicht nur der Spitalmitarbeitenden – analysiert werden. So war in der ersten Welle beispielsweise die Situation in Alters- und Pflegeheimen und bei der Pflege und Betreuung zu Hause besonders schwierig.», sagt Samuel Burri Co-Branchenverantwortlicher Pflege der Unia.

Zeitdruck erhöht Risiko

Die Pflegenden in Heimen und bei der Spitex waren einem enormen Risiko ausgesetzt, weil nicht genügend Schutzmaterial vorhanden war und sie unter starkem Zeitdruck standen. «Wir müssen wissen, wie sich das auf die Ansteckungen ausgewirkt hat und weshalb es gerade bei der Pflege der Senior*innen, die ja eigentlich zur Hoch-Risikogruppe gehören, schweizweit an Schutzmaterial fehlte. Solche Katastrophen auf dem Buckel von Personal und den Betagten dürfen nicht mehr vorkommen!»