Immer noch viele Gratis-Überstunden bei DPD

Der Arbeitstag der DPD-Die Fahrer*innen beginnt früh. Und endet spät. (Foto: Manu Friederich)

Die Unia besucht regelmässig Depots des Paketdienstes DPD. Dabei zeigt sich: Die Fahrer*innen, welche die Pakete ausliefern, machen immer noch jeden Tag zahlreiche Überstunden. So auch in Tavannes (BE).

Das DPD-Depot von Tavannes ist etwas abgelegen, aber nicht klein. Knapp 50 Fahrzeuge beliefern von hier aus den Jura und das Seeland. Die Fahrer*innen sind bei fünf unterschiedlichen Subunternehmen angestellt.

Hochbetrieb von früh…

An einem sonnigen Mittwoch Anfang September nehmen wir einen Augenschein der Arbeitsbedingungen. Im Sommer sind die Paketmengen normalerweise etwas kleiner als sonst und bei gutem Wetter sind die Touren rascher zu bewältigen.

Dennoch beginn die Arbeit früh: Die ersten Fahrzeuge kommen um 5.10 Uhr an, die meisten sind um 5.30 Uhr im Depot. Die Paketbänder beginnen zu laufen und die Fahrer*innen beladen ihre Fahrzeuge mit den Paketen, die ihnen für diesen Tag zugeteilt sind.

Erst zwischen 8.30 und 9 Uhr sind sie damit fertig und können ihre Tour in Angriff nehmen. Einige haben jetzt noch eine Stunde Fahrzeit, bis sie ihr erstes Paket abliefern.

…bis spät

Nach Ablauf der vertraglichen täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden und 48 Minuten, also um 14.18 Uhr (Pausen werden nur in wenigen Fällen gemacht), sind nur drei Fahrzeuge zurück im Depot. Die tägliche Gratisarbeit beginnt.

Um 16.40 Uhr sind drei Viertel der Fahrzeuge zurück – es muss aber noch entladen werden. Bis zum Arbeitsende dauert es im Schnitt noch weitere 30 Minuten.

11 Stunden pro Tag sind die Regel

Auch an diesem Tag arbeiten die meisten Fahrer*innen 11 Stunden oder mehr. Am Ende des Tages sind sie erschöpft und wütend. Um 17.30 Uhr treffen immer noch Fahrer im Depot ein. Sie haben auch an diesem schönen Spätsommertag 12 Stunden gearbeitet.

Wo bleibt das Geld?

Nicht genug mit den überlangen Arbeitstagen: Die Überstunden werden weiterhin weder erfasst noch bezahlt. Die Fahrer*innen berichten, seit die Unia bei DPD aktiv sei, kämen die Chefs einmal im Monat bei laufendem Band mit einem vorausgefüllten Stundenblatt ohne Überstunden, das sie sofort unterschreiben müssten. Sie könnten die Stundenabrechnung nicht genauer anschauen und erhielten keine Kopie. Wer sich weigere, riskiere die Kündigung.

Unerlaubte Abzüge

Wenn ein Paket verloren gehe, zu früh oder zu spät geliefert werde oder wenn ein Unfall geschehe, gebe es Lohnabzüge. Diese Abzüge seien nicht auf der Lohnabrechnung erkennbar. Stattdessen müssten die Fahrer*innen das Geld in bar ihrem Chef abliefern – eine Quittung gebe es nicht. Die Bussen entsprächen der Mängelliste von DPD.

Respektlose Haltung von DPD

Wie DPD mit den Fahrer*innen umspringt, zeigt sich auch andernorts: Obwohl die Zusteller*innen täglich mehrere Stunden Gratisarbeit leisten, verlange DPD sogar noch Geld für den Kaffee am Morgen im Depot.