Lohndumping am Flughafen Genf: Piloten verdienen nur 2000 Franken

Ein erschreckender Fall von Lohndumping wurde heute früh am Internationalen Flughafen Genf durch die Unia publik gemacht. Die Piloten und Flugbegleiter der privaten Fluggesellschaft Sonning SA erhalten einen Monatslohn von nur 2000 Franken. Zudem wurde das Flugpersonal, nach der Intervention von Unia beim Arbeitgeber, entlassen. Der Internationale Flughafen von Genf wurde aufgefordert, den skandalös Tieflöhnen, in einer Branche, in der die Sicherheit jedes Einzelnen garantiert sein muss, ein Ende zu bereiten. Die betroffenen Angestellten fordern eine Lösung des Konflikts und unterstützen die Einführung eines Mindestlohnes für alle bei der Abstimmung am 18. Mai 2014.

Der Druck auf die Löhne hat am Flughafen Genf stark zugenommen. Die einer sehr starken Konkurrenz ausgesetzte Zivilluftfahrt ist eine Branche, die vom Lohndumping besonders betroffen ist. Es gibt keine Kontrollen und keinen vertraglichen Mindestlohn. Der jüngste Fall, der heute früh von der Gewerkschaft Unia aufgedeckt wurde, betrifft die private Fluggesellschaft Sonnig SA. Sie bezahlt seit mehreren Jahren zahlreichen Angestellten skandalöse Tieflöhne von 2000 Franken brutto für eine Vollzeitstelle. Die Kunden der Gesellschaft wissen nicht, zu welchen Bedingungen das Personal arbeiten muss: tiefe Löhne, immer mehr Überstunden, dafür weniger Pausen, keine Möglichkeit Ferien zu nehmen und gestrichene Ruhetage. Was die Einhaltung der Sicherheitsbedingungen anbelangt lassen sich nur Mutmassungen anstellen und diese in einem derart sensiblen Bereich.
 
Nach der Veröffentlichung des Falles durch die Unia haben das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) und das Genfer Kantonale Amt für Arbeitsinspektion und Arbeitsbeziehungen (OCIRT) nun den Fall aufgegriffen. Als Antwort auf die Intervention entliess die Gesellschaft Sonnig SA das gesamte Personal und verweigerte Verhandlungen bezüglich der Massenentlassung. Das Personal hat deshalb heute beschlossen, an die Öffentlichkeit zu treten, diese unwürdigen Löhne publik zu machen und Verhandlungen zu fordern, damit bezüglich der Massenentlassungen die Konsultationspflicht eingehalten wird. Die so unter Druck geratene Fluggesellschaft Sonnig SA erklärte sich gegenüber der Gewerkschaft Unia zu Gesprächen zur Lösungsfindung bereit.
 
Die Angestellten und die Unia fordern ein Treffen mit Herrn Maudet, Genfer Regierungsrat und Dossierverantwortlichen, damit der Kanton Genf dem gnadenlosen Konkurrenzkampf, der am Genfer Flughafen herrscht, ein Ende bereitet. Die Angestellten und die Unia haben darauf hingewiesen, dass die Einführung eines Mindestlohnes von 4000 Franken pro Monat, das heisst 22 Franken pro Stunde, durch die Annahme der Mindestlohninitiative am 18. Mai 2014 ein äusserst wirksames Mittel wäre, um solche Skandale zu verhindern: Arbeitgeber, welche anständige Löhne bezahlen, hätten keine unlautere Konkurrenz mehr zu befürchten und die Angestellten wären vor Missbrauch geschützt.