Rekord-Lohndumping beim Bau des höchsten Gebäudes der Schweiz

Der «Roche Turm Bau 1» in Basel wird mit 174 Metern das höchste Gebäude der Schweiz werden. Rekordverdächtig ist aber nicht nur die Höhe des Gebäudes, sondern auch das Ausmass des Lohndumpings auf der Baustelle. Mit absoluten Tiefstlöhnen von nur etwas mehr als netto 12 Franken die Stunde haben die betroffenen Arbeiter bereits über 1 Million zu wenig Lohn bekommen. Statt ihre Verantwortung wahrzunehmen und das Lohndumping-Problem sofort anzugehen spielt Roche auf Zeit. Die Unia hat deshalb heute Morgen die Baustelle eingestellt.

Das System ist typisch für Lohndumping: Am Anfang steht Hofmann — La Roche, die den Bau organisiert und den Auftrag für die Fassadenarbeiten am «Roche Turm Bau 1» an die deutsche Josef Gartner GmbH weitergibt. Statt selber Leute zu beschäftigen, vergibt diese den Auftrag weiter an das polnische Sub-Unternehmen PAKO-AL aus Danzig. Dieses wiederum stellt die Betroffenen an; zu viel zu tiefen Löhnen.
 
Gerade einmal 15 Franken werden im Arbeitsvertrag versprochen, ausbezahlt werden nur noch etwas mehr als netto 12 Franken pro Stunde; inkl. Ferien, Anteil 13. Monatslohn, Spesen etc. Knapp drei Mal weniger als gemäss geltenden Gesamtarbeitsverträgen ausbezahlt werden müsste. Insgesamt wurde den betroffenen Bauarbeitern so seit Arbeitsbeginn im August schon über 1 Million Franken zu wenig Lohn ausbezahlt. Der grösste Fall von Lohndumping in der Schweiz.
 
Roche nimmt Verantwortung nicht wahr - Arbeit auf der Baustelle eingestellt
Für die Unia ist klar, dass solches Lohndumping nicht toleriert werden kann. Sie hat die Roche deshalb gestern aufgefordert, die Arbeiten auf der Baustelle auf heute einzustellen und die korrekte Lohnzahlung für alle Betroffenen sicher zu stellen. Leider nimmt die Roche ihre Verantwortung auch nach einem ersten Treffen mit der Unia nicht wahr.
 
Beim Treffen wurde der Sachverhalt noch einmal aufgezeigt und ein konkreter Lösungsvorschlag präsentiert. Statt entschiedenes Handeln zu zeigen, spielt die Roche auf Zeit und versteckt sich hinter langwierigen Verfahren. Die Unia hat deshalb die Arbeiten am Fassadenbau eingestellt. Sie steht der Roche jederzeit zur Verfügung, um das Problem zu lösen.
 
Zu wenig Kontrollen - Lügen über den Lohn
Der Fall auf dem Roche Turm zeigt, dass mit den heutigen Kontroll- und Schutzmechanismen Lohndumping nicht mehr beizukommen ist. Das zuständige Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) hatte den Bauarbeitern eine Arbeitsbewilligung mit klaren Auflagen an die Lohnhöhe ausgestellt. Diese werden im Nachhinein einfach unterlaufen. Auch eine Kontrolle auf der Baustelle durch das Kontrollorgan Basko hat nichts ergeben; hier wurden die Bauarbeiter von ihrem Vorgesetzten gezwungen mündlich falsche Löhne anzugeben.
 
Für die Unia zeigt der Alltag auf den Baustellen ganz klar: Mit der aktuellen Gesetzgebung kann Lohndumping nicht mehr verhindert werden. Das setzt die Löhne aller Arbeitnehmer immer mehr unter Druck und schadet auch Arbeitgebern, die anständige Löhne bezahlen wollen. Um alle vor Lohndumping zu schützen braucht es endlich neue, griffige Massnahmen gegen Lohndumping.