Corona in Alters- und Pflegeheimen

Symbolbild: Pflegefachkraft neben Grossbild von einem Coronavirus

Schutz des Personals und der Bewohner*innen muss in der zweiten Welle oberste Priorität haben

Die erste Covid-19 Welle hat es gezeigt: Alters- und Pflegeheime sind besonders anfällig für Covid-19 Ausbrüche und die Bewohner*innen der Heime sind besonders gefährdet. Über die Hälfte der Corona-Todesfälle ereigneten sich in Alters- und Pflegeheimen. Seit Anfang der zweiten Pandemiewelle häufen sich auch die Meldungen von Ansteckungen des Personals. Es braucht deshalb jetzt mehr Schutz!

Dies sind die Forderungen der Unia:

Schutz vor Ansteckung

  • ▼Prioritärer Zugang zu Tests für Personal und Bewohner*innen

    Die Testkapazitäten sind schweizweit am Anschlag. Umso mehr müssen genügend Tests und Laborkapazitäten für das Personal und die Bewohner*innen von Alters- und Pflegeheimen zur Verfügung stehen.

    Bei Ausbrüchen sollen alle Mitarbeitenden und Bewohner*innen rasch und mehrmals getestet werden. Nur so können Ausbrüche schnell und effizient unter Kontrolle gebracht werden.

  • ▼ Pflegende mit ungeschütztem Kontakt zu Covid-Infizierten dürfen nur in nachgewiesenen und bewilligten Notfällen zum Einsatz kommen

    Pflegende, die in Quarantäne sein müssen und trotzdem zur Arbeit aufgeboten werden stehen vor einem Gewissenskonflikt – sie wollen niemanden Anstecken. Daher ist die verordnete Quarantäne zu respektieren.

    Ist dies aufgrund massiven Personalmangels nicht möglich, muss ein solcher gegenüber den Aufsichtsbehörden nachgewiesen und eine Aufhebung der Quarantäne von diesen bewilligt werden. Dies gilt auch für Situationen, in denen die kantonalen Contact-Tracing Infrastrukturen überlastet sind oder die Quarantäne auf eine «soziale Quarantäne» im Sinne einer Quarantäne in der Freizeit reduziert wird.

    Zudem soll der Verdienstausfall zu 100 Prozent vergütet werden.

  • ▼ Pflegende mit einer vermuteten oder nachgewiesenen Covid-Infektion begeben sich in Isolation und können nicht zur Arbeit herangezogen werden

    Covid-Infizierte Pflegende stellen für Bewohner*innen und das restliche Personal eine Gefahr dar – auch bei der Einhaltung von Hygienemassnahmen. Dazu stellen sich auch Haftungsfragen.
    Ferner gibt es Hinweise über überproportional schwere Verläufe von Covid-Erkrankungen bei Überarbeitung. Deshalb müssen sich die Pflegenden zu Hause auskurieren können.

  • ▼ Kein Überlauf von Covid-Patient*innen aus Spitälern in Heime

    Pflegeheime sind sowohl hinsichtlich ihrer Infrastruktur als auch hinsichtlich der Personalstruktur und Stellenschlüssel kein Ersatz für die Spitäler. Die Verlegung von Covid-Patient*innen von Krankenhäusern in Pflegeheime, auch in palliativen Settings, gefährdet Personal und gesunde Bewohner*innen, die zudem der Hochrisiko-Gruppe angehören.

Schutz vor Überlastung

  • ▼ Keine Ausserkraftsetzung oder Aufweichung der Bestimmungen des Arbeitsgesetzes (ArG)

    Das Arbeitsgesetz stellt ein Minimum an Gesundheitsschutz sicher, indem es Höchstarbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten definiert. Die aktuellen Regelungen sind schon heute extrem flexibel.

    Die Bestimmungen des ArG dürfen deshalb zum Schutz des Personals nicht aufgehoben oder aufgeweicht werden.

  • ▼ Nationale und kantonale Konzepte gegen Personalmangel

    Bund und Kantone müssen, sofern noch nicht geschehen, den Aufbau von Personalpools gewährleisten.

    Bei der Zuweisung von zusätzlichem Personal gilt es auch, die Pflegeheime zu berücksichtigen. Hierbei können die Heimverbände eine wichtige Rolle übernehmen.

    Das akute Problem des Personalmangels während der Krise muss heimübergreifend angegangen und gelöst werden, die Verantwortung dafür liegt bei der öffentlichen Hand und den Heimverbänden.

Dringender Appell an den Bundesrat

Als Teil des Bündnis Gesundheit hat die Unia zudem den dringenden Appell zum Schutz des Gesundheitspersonals an den Bundesrat mitunterzeichnet.