Gesamtarbeitsvertrag

Die Unia und der Verband Schweizerischer Sicherheitsunternehmen (VSSU) haben einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die private Sicherheitsbranche abgeschlossen. Er legt die minimalen Arbeitsbedingungen und Löhne aller Sicherheitskräfte, die in Unternehmen mit mind. 10 Angestellten arbeiten, fest.

Geltungsbereich

Der GAV gilt für alle Sicherheitskräfte von Unternehmen, die dem VSSU angeschlossen sind. Durch die Allgemeinverbindlicherklärung gilt er auch für alle Unternehmen mit mind. 10 Angestellten (in dieser Zahl eingeschlossen sind Direktion und administratives Personal, obschon sie nicht dem GAV unterstellt sind). Alle operativen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind dem GAV unterstellt.

Unterschied zwischen VSSU-Unternehmen und solchen, die der «Allgemeinverbindlichkeit» unterstellt sind

Die Mitgliedfirmen des VSSU müssen den GAV vollumfänglich einhalten und die Lohnanpassungen jeweils am 1. Januar jeden Jahres vornehmen. Für die anderen Unternehmen gilt der Bundesratsbeschluss, der die Allgemeinverbindlichkeit jährlich ab einem bestimmten Datum festlegt.

Neuer GAV 1. Juni 2020

Ab 1. Juni 2020 ersetzt der neue GAV den Vertrag aus dem Jahr 2014, der letztmals 2017 angepasst wurde. Alle Bestimmungen gelten für alle Unternehmen (VSSU und Unternehmen, die der Allgemeinverbindlichkeit unterstellt sind). Die Unia erteilt den Beschäftigten gerne Auskunft über den Inhalt des GAV und beantwortet alle Fragen ihrer Mitglieder.

Was ist neu beim GAV 2020?

  • Lohnerhöhungen: Die Mindesteintrittslöhne werden erhöht. Die niedrigsten Löhne (Aushilfe C) werden für den 1. Dienstjahr um 1% erhöht; die Löhne für die Anstellungskategorien A und B werden für das 1. Dienstjahr um 0,5% erhöht. Alle neuen Mindestlöhne hier (PDF).
  • Zuschläge für Schusswaffen (Art. 19): Für bestellte Einsätze mit Schusswaffen erhalten die Angestellten einen Zuschlag von 2 Franken pro Stunde bzw. maximal 150 Franken pro Monat. Die Firmen können höhere Zuschläge vorsehen.
  • Beruflicher Beitrag (Art. 6): Sicherheitsmitarbeitende zahlen maximal die Hälfte des beruflichen Beitrags. Die andere Hälfte wird neu obligatorisch vom Arbeitgeber bezahlt. Unternehmen können sich entscheiden, den vollen Beitrag zu zahlen.
  • Überzeit (Art. 14): Zeitzuschlag von 25%, wenn in einem Monat mehr als 210 Stunden gearbeitet wird.
  • Vaterschaftsurlaub (Art. 21): 3 Tage (statt 1).
  • Andere Absenzen (Art. 21): Das Recht auf freie Tage gilt in allen Fällen (nicht nur an regulären Arbeitstagen).
  • Geltungsbereich (Art. 2): Subunternehmen von VSSU-Firmen sind vertraglich zur Einhaltung des GAV verpflichtet.
  • Uniform (Art. 11): Bei aussergewöhnlichen Verschmutzungen, die während des Dienstes verursacht und intern gemeldet werden, müssen die Reinigungskosten vom Arbeitgeber übernommen werden.
  • Auslagenersatz (Art. 18): Wenn der Arbeitgeber ein Fahrzeug zur Verfügung stellt, muss er dies nachweisen können. Wenn er den Nachweis nicht erbringen kann, sind die anfallenden Spesen zu entschädigen.
  • Mehrzeit und Unterzeit (Art. 14): Die effektive Arbeitszeit am Ende eines Kalenderjahres darf das vertragliche Anstellungspensum um +5% (Mehrzeit) oder um -10% (Unterzeit) nicht übersteigen (gültig ab Ende 2020). Ziel ist es, Festanstellungen auch bei einem Rückgang des Arbeitsstunden zu sichern.