Lohnschere öffnet sich, Aktionäre und CEOs sahnen ab

Manager und Aktionäre kassieren Millionen, die Gewinne der Konzerne gehen an den Arbeitnehmenden vorbei.

Rekordgewinne für die Aktionäre, Existenzängste für die Arbeitnehmenden: So lässt sich die Studie der Gewerkschaft Unia zum Lohngefälle in der Schweiz zusammenfassen. Die Studie analysiert 37 Schweizer Unternehmen, von denen 33 an der Börse kotiert sind.

Allein diese Unternehmen schütteten für das Jahr 2019 63 Milliarden Franken in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre aus (4,4 Milliarden mehr als im Vorjahr).

Lohnschere wird grösser

Auch in diesem Jahr öffnet sich die Lohnschere weiter. Den grössten Unterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Gehalt in ein und demselben Unternehmen gab es beim Pharmariesen Roche mit 1 zu 308. Im Durchschnitt der untersuchten Konzerne betrug das Verhältnis 1 zu 148 (gegenüber 1 zu 142 im Vorjahr).

Manager kassieren weiter Millionen

Severin Schwan, CEO von Roche, ist zugleich der Manager, der bei den missbräuchlichen Vergütungen obenaus schwingt. Er liess sich 15,1 Millionen Franken auszahlen. Das Podium der Gierigsten wird komplettiert durch Sergio Ermotti (UBS) mit 12,5 Millionen und Tidjane Thiam (Credit Suisse), der trotz seines skandalbedingten Abgangs für das vergangene Jahr die Summe von 10,7 Millionen einstrich. Zudem tröstet ihn wohl die Abgangsentschädigung von 30 Millionen, also drei Jahresgehältern, über den Stellenverlust hinweg.

Dividendenausschüttung trotz Staatshilfe

Die Unanständigkeit hört nicht bei den Spitzengehältern auf. Inmitten der Corona-Krise haben mindestens sieben Unternehmen, die vom Bund durch Kurzarbeitsleistungen unterstützt werden, ihren Aktionären Dividenden in Höhe von insgesamt fast vier Milliarden Franken ausgezahlt. An der Spitze stehen LafargeHolcim, Lindt&Sprüngli und Sika. Fünf Firmen schütteten sogar mehr Dividenden aus als im Vorjahr.

EMS Chemie: Familie Blocher vs. Arbeitnehmende

Die Studie untersucht auch die Unternehmen mit der ungleichsten Verteilung zwischen Kapital und Arbeit. An der Spitze steht erneut das Blocher-Unternehmen EMS Chemie. Der Konzern hat 2019 insgesamt 462 Millionen Franken an seine Aktionäre und nur gut halb so viel (239 Millionen) an sein Personal ausbezahlt. Die Blocher-Töchter teilten als Hauptaktionärinnen fast 326 Millionen Franken unter sich auf. Als logische Fortsetzung dieser Abzockerei setzt sich die Blocher-Partei SVP (u.a. mit der Kündigungsinitiative) für Abschaffung von Mindestlöhnen und Gesamtarbeitsverträgen ein, weil diese «die Produktion verteuern», wie Magdalena Martullo-Blocher zu sagen pflegt.

Es braucht Unterstützung für die Arbeitnehmenden

Auf der unteren Seite der Lohnschere stehen die Arbeitnehmenden. Viele von ihnen haben in den letzten Monaten wegen Kurzarbeit während der Coronavirus-Krise nur 80 Prozent ihres normalen Gehalts erhalten. Die Unia fordert einen vollen Lohnausgleich bei Kurzarbeit für Beschäftigte mit tiefen und mittleren Löhnen. Zudem darf es keine Entlassungen aufgrund des Coronavirus geben.

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