Mindestlöhne

Mindestlöhne

Immer noch kein gesetzlicher Mindestlohn in der Schweiz

In der Schweiz gibt es, anders als in den meisten Ländern Europas, keinen gesetzlich verankerten Mindestlohn, der für alle Angestellten gilt. Dagegen wehrt sich die Gewerkschaft Unia. Mindestlöhne sorgen für faire Löhne und sind ein wichtiges Mittel gegen Lohndumping. Wer voll arbeitet, verdient einen Lohn, der zu einem anständigen Leben reicht.

Kantonale Mindestlöhne

Neuenburg hat im Sommer 2017 als erster Kantonen einen Mindestlohn eingeführt. Sechs Jahre nach dem Volksentscheid von 2011 hat das Bundesgericht grünes Licht gegeben und die Beschwerden von Arbeitgeberverbänden abgewiesen. Zwar liegt der Neuenburger Mindestlohn mit 20 Franken pro Stunde tiefer als die von der Unia geforderte Untergrenze von 22 Franken. Dennoch hat er Signalwirkung für andere Kantone.

Auch im Jura und im Tessin hat die Bevölkerung die Einführung eines kantonalen Mindestlohns beschlossen. Über deren Höhe wird derzeit diskutiert. Die Vorschläge der Regierungen sind ungenügend: 19.25 Franken im Jura, zwischen 18.25 und 19.25 im Tessin. Die Unia drängt darauf, dass faire Mindestlöhne festgelegt werden, die zum Leben reichen und das Lohndumping stoppen. Der Neuenburger Mindestlohn wurde auf Basis der Richtlinien für die Ergänzungsleistungen (EL) ermittelt. Diese gehen von dem aus, was ein erwachsener Mensch braucht, um über der Armutsgrenze leben zu können.

Mindestlöhne in GAV

Viele Gesamtarbeitsverträge (GAV) für Branchen oder Betriebe legen Mindestlöhne fest. Sie werden von den Sozialpartnern gemeinsam vereinbart. Allerdings sind nicht alle Arbeitgeber bereit, mit den Gewerkschaften zu verhandeln. So ist die GAV-Abdeckung in der Schweiz gering: Nur gut die Hälfte der Angestellten ist durch einen GAV geschützt, und nur für 1,7 von 5 Mio. Erwerbstätigen gilt ein GAV-Mindestlohn. Über die Höhe der jeweiligen GAV-Mindestlöhne informiert das online-Portal des GAV-Service.

Frauen profitieren von Mindestlöhnen

Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Tieflohnbranchen. Für sie sind Mindestlöhne besonders wichtig. Frauen arbeiten zudem häufiger Teilzeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit über eine gewisse Zeit. Dies wirkt sich wiederum auf die Altersrente aus. (Sehen Sie sich den Film dazu an.) Mindestlöhne helfen, prekäre Situationen abzufedern.

Schutz vor Lohndumping

Wer voll arbeitet, muss einen Lohn erhalten, von dem man anständig leben kann. Tieflöhne schaden nicht nur den direkt Betroffenen, sie bringen das ganze Lohngefüge unter Druck. Unter Lohndumping leiden alle Arbeitnehmenden, aber auch die anständigen Arbeitgeber, welche ihren Angestellten faire Löhne bezahlen.

Ein fairer Mindestlohn: 4000 Franken

Auch wenn die Mindestlohn-Initiative der Gewerkschaften 2014 an der Urne abgelehnt wurde, hat sie viel gebracht: 4000 Franken hat sich als Marke für einen fairen Mindestlohn etabliert. Zahlreiche Unternehmen und ganze Branchen haben ihre Mindestansätze erhöht. Dank der Initiative erhielten Tausende eine Lohnerhöhung.