Bauarbeiter brauchen besseren Schutz bei Schlechtwetter

Die Bauarbeiter sind bei schlechtem Wetters zu wenig gegen Unfälle geschützt. Wenn die Arbeit aus Sicherheitsgründen unterbrochen wird, müssen die Bauarbeiter die Zeit meist nacharbeiten. Das zeigt eine Studie aus dem Kanton Genf. Die Studie zeigt auch, dass viele Unfälle auf Schweizer Baustellen mit guten Schutzmassnahmen verhindert werden könnten.

Die Studie «Wahrnehmung von Risiken, Schutzmassnahmen und Arbeitseinstellung im Zusammenhang mit Schlechtwetter» wurde von den Gewerkschaften Unia, Syna und SIT in Auftrag gegeben. Zwischen 2013 und 2014 befragte Isabelle Probst, Professorin an der Waadtländer Fachhochschule für Gesundheit (HESAV, HES-SO) 659 Genfer Bauarbeiter. Die Resultate zeigen, dass das aktuelle System zu wenig zum Schutz gegen Unfälle bei Schlechtwetter beträgt. 

Hohe Unfallrate, grosse Kosten

Die Studie zeigt, dass 2012 jeder sechste Bauarbeiter wegen schlechten Wetterbedingungen verunfallte. Schweizweit ist es laut SUVA- Unfallstatistik sogar jeder fünfte. Bauarbeiter verunfallen damit dreimal häufiger als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in der Schweiz. Diese Zahlen sind dramatisch für die betroffenen Bauarbeiter. Doch allein schon aus finanziellen Gründen müssten alle ein Interesse daran haben, einen besseren Schutz der Bauarbeiter vertraglich festzulegen: Im Bau kostet ein Berufsunfall im Durchschnitt 1489 Franken, in der Landwirtschaft sind es 794 Franken und in der öffentlichen Verwaltung sogar nur 181 Franken.

Je kleiner die Firma, umso grösser das Risiko

Das Unfallrisiko eines Bauarbeiters hängt von der Grösse des Bauunternehmens ab. Im Kanton Genf – dieselbe Tendenz zeichnet sich auch in der übrigen Schweiz ab – sind Angestellte kleiner Baufirmen einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt als die Arbeiter von mittleren und grossen Unternehmen. 26% der Bauarbeiter von Firmen mit weniger als 50 Angestellten erlitten einen Unfall, während die Quote bei Firmen mit mehr als 50 Angestellten bei 13% liegt.

Unfallrisiko Schlechtwetter

Die Studie zeigt auch auf, dass Bauunternehmer die Bauarbeiten selten wegen Schlechtwetter einstellen. Diese Tatsache erhöht das Unfallrisiko markant: Bauarbeiter, welche schlecht gegen Wettereinflüsse geschützt sind, erleiden häufiger einen Unfall.

Die Arbeiter tragen die Kosten

Dass Baustellen bei schlechtem Wetter nur selten eingestellt werden, hängt mit dem Termin- und Kostendruck und der mangelhaften Regelung im Landesmantelvertrag (LMV) zusammen. Und falls eine Baustelle doch eingestellt wird, müssen oft die Bauarbeiter die Ausfälle tragen, indem sie dafür Überstunden kompensieren.

Die Beiträge für die Schlechtwetterversicherung werden zu gleichen Teilen von den Arbeitgebern und den Arbeitern bezahlt. Deshalb sollten die Bauarbeiter auch mitbestimmen können, ob die Arbeit eingestellt wird oder nicht. Die Genfer Studie zeigt hier klar: Wo die Bauarbeiter über die Einstellung der Arbeiten wegen schlechten Wetters mitbestimmen können, ist die Unfallzahl tiefer als auf Baustellen, wo nur die Vorgesetzten entscheiden.

Klare Richtlinien im LMV notwendig

Die Schlechtwetter-Regelung muss verbessert werden. Der Gesundheitsschutz der Bauarbeiter muss an erster Stelle kommen. Zudem dürfen die ausgefallenen Arbeitsstunden wegen Schlechtwetter nicht mehr einfach auf die Bauarbeiter überwälzt werden. Es braucht klare Richtlinien, wann eine Baustelle eingestellt werden muss. Diese Richtlinien können z.B. die Niederschlagsmenge pro Stunde, Windgeschwindigkeit, Temperatur bzw. gefühlte Temperatur und anderes beinhalten.