Vorruhestandsmodell Schreinerbranche: Der Faktencheck

Der Schreinermeisterverband (VSSM) verbreitet viel Unwahres über das Vorruhestandsmodell (VRM). Wir checken die Fakten.

1. Behauptung des VSSM:

«Die Schreiner von heute brauchen keine Frühpensionierung.»

Schauen wir uns die Altersverteilung in der Schreinerbranche an. Die folgende Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der Angestellten nach Alter inkl. Lernende (N=1903).

Vier Punkte stechen ins Auge:

  1. Kurz nach der Lehre verlassen zahlreiche junge Schreiner*innen die Branche. Etwa ein Drittel der 20- bis 26-Jährigen suchen eine neue berufliche Herausforderung.
  2. Die 28- bis 58-Jährigen bleiben der Branche treu. Alle Jahrgänge sind gleichmässig  vertreten und pendeln sich um einen Anteil von 2% ein.
  3. Die geburtenstarken Jahrgänge («Babyboomer») sind auch unter den Schreiner*innen präsent, deshalb ist diese Altersgruppe leicht übervertreten.
  4. Ab 58 Jahren verlassen die Schreiner*innen die Branche: Drei Viertel erreichen das ordentliche Pensionsalter nicht auf dem Beruf.

Was also passiert mit den Schreiner*innen zwischen 58 und 65 Jahren? Hinter dem violetten Dreieck dürften sich zahlreiche Schicksale verbergen: Invalidität, Arbeitslosigkeit, Aussteuerung, Sozialhilfe… Wir kennen nicht jeden Einzelfall. Doch wir wissen: Mit 58 oder älter findet sich nicht so leicht ein neuer Job.

Der Check:

  • Das Argument, dass man ins VRM einzahle, und bei einem Branchenwechsel alles verliere, ist wenig stichhaltig. Effektiv betroffen ist ein Drittel der ganz Jungen, die ihre berufliche Zukunft ausserhalb der Schreinerbranche suchen.
  • Das VRM ist nötiger denn je. Nur so kann älteren Schreiner*innen eine Brücke in die ordentliche Pensionierung gebaut werden. Dank VRM fallen sie am Ende ihres langen beruflichen Lebens nicht zwischen Stuhl und Bank. Sie können in Würde und Gesundheit in Rente gehen.

2. Behauptung des VSSM:

«Das VRM ist teuer. Einkäufe in die Pensionskasse sind besser.»

Der Check:

Eine frühzeitige Pensionierung ohne VRM kann sich eine Schreinerin/ein Schreiner kaum leisten.

Rechenbeispiel: Schreiner*in mit durchschnittlichem Einkommen von 75'000 Franken/Jahr (Berufseinstieg mit 60'000 Franken und 80'000 Franken am Ende der Karriere, 41 Beitragsjahre).

Rente pro Monat (Fr.):

 

Alter 65

Alter 63

Rentenverlust

AHV

2065

1784

281

Pensionskasse (Schätzung)

1500

1300

200

Total

3565

3084

481

Wer mit 63 in Rente geht, hat lebenslang eine Rentenkürzung von insgesamt 481 Franken. Will man die Rentenkürzung in der Pensionskasse um 200 Franken durch Einkäufe ausgleichen, dann müsste zusätzlich 37'000 Franken während dem Arbeitsleben in die Pensionskasse einbezahlt werden. Will man den Verlust bei der AHV ebenfalls durch Einkäufe in die Pensionskasse ausgleichen, müssten insgesamt 90'000 Franken freiwillig einbezahlt werden. Wer kann sich einer Rentenkürzung um 13 Prozent bzw. Einkäufe von bis zu 90'000 Franken leisten?

So geht es!

Wenn die gleiche Person nun aber 27’675 Franken (0,9 Lohnprozente) das ganze Arbeitsleben über einbezahlt, erhält sie eine Überbrückungsrente von 4’000 Franken im Monat. Damit wird eine Frühpensionierung in Würde möglich.