Stadler Rail: starker GAV für starken Werkplatz

Die Gewerkschaft Unia und das Unternehmen Stadler Rail haben sich auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag ab 2016 geeinigt. Er enthält nicht nur gute Mindestlöhne für verschiedene Qualifikationsstufen, sondern auch einen Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmende und weitere wegweisende Bestimmungen. Gleichzeitig vereinbarten Unternehmen und Gewerkschaft das Ende der Krisenmassnahmen, welche nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses ergriffen worden waren.

Ein starker GAV für einen starken Werkplatz

Am Unia-Industrietag vom 11. September leisteten Unia-Industriechef Corrado Pardini, Swatch-CEO Nick Hayek und Peter Spuhler von Stadler Rail eine Art Rütli-Schwur für eine starke Industrie in der Schweiz. Pardini nannte die Bedingung: «Grundlage kann nur eine neu begründete Sozialpartnerschaft sein.» Vier Wochen später folgte den Worten die erste Tat: Am vergangenen Freitag unterzeichneten Spuhler und Pardini in Zürich einen neuen Gesamtarbeitsvertrag für sämtliche Schweizer Standorte der Stadler Rail Group.

Diverse Fortschritte machen diesen GAV zu einem Massstab: Gute Mindestlöhne für 5 Qualifikationsstufen (von 4200 Franken für Hilfsarbeitende bis 6200 Franken für Techniker/innen). Die Lehrlinge sind ebenfalls im GAV, mit Mindestlöhnen. Über 58-Jährige geniessen einen weitgehenden Kündigungsschutz. Die Bestimmungen bei Massentlassungen wurden verbessert. Der Teuerungsausgleich ist automatisch. Und einiges mehr (siehe Dokumentation am Schluss).

Rücknahme der Krisenmassnahmen

Gleichzeitig vereinbarten die Gewerkschaft Unia und Stadler Rail das Ende der Krisenmassnahmen. Ende Januar hatten sie nach der abrupten Aufwertung des Franken durch die Nationalbank beschlossen, vorübergehend 45 Stunden pro Woche zu arbeiten (zweieinhalb Stunden Pause eingerechnet). Ab 1. Januar 2016 gilt nun die neue vertragliche Arbeitszeit von 40 Stunden. Corrado Pardini: «In einer Epoche, da Wirtschaftsverbände und Konzerne auf eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit drängen, ist dieser GAV ein wertvolles Bekenntnis zur 40-Stundenwoche.»

Für Pardini, der die Anliegen der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch im Nationalrat vertritt, hat dieser GAV Signalwirkung: «Er hilft, Jobs zu retten. Er zeigt, wie man etwa das Problem der älteren Arbeitnehmenden, die heute vor allen anderen entlassen werden, gelöst werden könnte. Doch er bedeutet noch mehr. Economiesuisse, SVP und FDP wollen das Rad sozialer Errungenschaften zurückdrehen.»  Sie planen, die Löhne zu senken, die Arbeitszeit zu verlängern, das Rentenalter erhöhen, die soziale Sicherheit schwächen. Pardini: «Gewinnen sie die Wahlen, wird es eiskalt, in der Schweiz. Dieser GAV aber ist ein mächtiges Statement für die Industrie und eine fortschrittliche Schweiz.»

Beispiel Mindestlöhne: Vor zwei Jahren musste Pardini Mindestlöhne im GAV der MEM-Industrie noch mit der Brechstange und bundesrätlicher Vermittlung durchsetzen. Jetzt nannte Peter Spuhler diesen GAV «einen Schritt zur Sicherung des Werkplatzes Schweiz».

Frankenproblem bleibt

Bleibt das Problem Franken-Schock. Die Lage eines Teils der Industrie, aber auch anderer Wirtschaftszweige ist kritisch. Die Unia verfügt über Indizien, dass nach dem Wahltag am 18. Oktober diverse Massenentlassungen geplant sind. Die Gewerkschaft Unia verlangt, dass der Franken-Euro-Kurs durch die Nationalbank rasch auf 1.20 gestellt werden muss.

 

Wichtige Elemente des GAV

Mindestlöhne:

  • Techniker/innen Fachhochschule 6200.-
  • Facharbeitende mit vierjähriger Lehre ab 25 J. 4700.-
  • Facharbeitende mit vierjähriger Lehre bis 25 J. 4400.-
  • Facharbeitende mit zweijähriger Lehre 4200.-
  • Hilfsarbeitende 4200.-

Lehrlinge: Mindestlöhnen von 650.- im ersten bis 1400.- im vierten Lehrjahr
Arbeitszeit: 40-Stunden-Woche, 1 Tag Ferien zusätzlich für alle Altersgruppen
Kündigungsschutz für Arbeitende über 58 J. dtark ausgebaut
Automatischer Teuerungsausgleich
Bei Massentlassungen: ausgebaute Pflichten des Unternehmens
Temporär Beschäftigte: maximal 15 Prozent

Zudem enthält der GAV starke Bestimmungen zur Lohngleichheit, zu beruflichen Förderungen der Frauen und einiges mehr.

Gültigkeit: 1. Januar 2016 bis 31. März 2022