Massenentlassung: Smood-Kurier*innen wollen Arbeitsplätze verteidigen

Die Gewerkschaften Unia und SIT haben heute über die Ergebnisse der Konsultationsphase mit den Mitarbeitenden von AlloService Sarl informiert. Die Firma übernimmt als Subunternehmen Lieferungen für die Plattform Smood SA. Zwar wurde die Zahl der geplanten Entlassungen reduziert. Doch die Situation bleibt für die Arbeitnehmenden sehr undurchsichtig und unsicher. Die Gewerkschaften fordern die Genfer und Waadtländer Behörden auf, zu intervenieren, damit alle Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Die Situation der Zusteller*innen in Genf und in der Waadt, die für die Lieferplattform Smood SA arbeiten, ist immer noch schwierig. Trotz einer langen Konsultationsfrist wurden von den Geschäftsleitungen der betroffenen Unternehmen nur wenige konkrete Vorschläge gemacht. Die im April in den Medien angekündigten Entlassungen sind nun Realität. Sollte es zu keiner Einigung kommen, werden in den kommenden Wochen mehrere Dutzend Menschen arbeitslos werden. In einer Zeit, in der die Online-Lieferungen von Lebensmitteln und Einkäufen in der ganzen Schweiz boomen, haben diese Arbeitnehmenden keinerlei Schutz.

Erste ermutigende Zeichen

Doch es gibt auch erste ermutigende Zeichen, welche die Gewerkschaften erfreut zur Kenntnis genommen haben: Das Unternehmen AlloService hat im Zusammenhang mit der Massenentlassung ein formelles Konsultationsverfahren eröffnet und die Genfer Behörden informiert. Die Zahl der Entlassungen wurde von 250 auf 150 Personen reduziert (120 in Genf und 30 in Lausanne). Im Kanton Waadt wurden bereits 45 Kurier*innen wiedereingestellt. Schliesslich erklärte Smood letzte Woche, dass es dem System der Vergabe von Aufträgen an Subunternehmen ein Ende setzt und den Genfer Mindestlohn einhält.

Vorschläge der Beschäftigten

Auf dieser Basis hoffen die Beschäftigten nun eine Lösung auf Basis ihrer Vorschläge zu finden, welche sie während der dreiwöchigen Konsultationsfrist mit Unterstützung der Gewerkschaften Unia und SIT erarbeitet haben. Ihr Ziel ist, die Arbeitsplätze zu erhalten und die wirtschaftlichen Folgen allfälliger Entlassungen abzufedern. Die Beschäftigten verlangen von Smood:

  • Alle Beschäftigen direkt anzustellen, die das bis am 30. Juni ausdrücklich wünschen.
  • Die rechtlich vorgeschriebenen Arbeitsbedingungen einzuhalten, insbesondere den Genfer Mindestlohn und den Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV).
  • Rechtzeitig alle erforderlichen Unterlagen bereitzustellen, damit mögliche Ansprüche und die korrekte Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen überprüft werden können.

Kantone müssen sich einschalten

Die Gewerkschaften fordern die Genfer und Waadtländer Behörden auf, diesen Fall unter die Lupe zu nehmen und insbesondere die Einhaltung der Sozial- und Arbeitsgesetzgebung zu überprüfen. Das Subunternehmer-Verhältnis von AlloService und Smood verdient besondere Aufmerksamkeit unter dem Gesichtspunkt der Anwendung des Arbeitsvermittlungsgesetzes (AVG). Solche Subunternehmerstrukturen wurden von den Gewerkschaften bereits in der Vergangenheit öffentlich angeprangert, insbesondere bei dem von Uber in der Westschweiz geschaffenen System mit Taxifahrer*innen, die von Subunternehmen angestellt wurden. Im Fall von Personalverleih ist es verboten, die Personalrekrutierung an ein Subunternehmen auszulagern. Die ausstehenden Ansprüche der Kurier*innen könnten daher grösser sein als von AlloService geschätzt, und dürften sich auf mehrere hunderttausend Franken belaufen.

Prekarisierung durch Subunternehmerketten beenden!

Die schweizweit tätige Firma Smood wurde von der Unia mehrfach für die schlechten Arbeitsbedingungen und Löhne ihrer Kurier*innen kritisiert: unzureichende Spesenvergütungen, teilweise unbezahlte Wartezeiten, fehlende Pausenräume, im letzten Moment geänderte oder zu spät kommunizierte Arbeitsplanung. Die Situation hat sich während der Pandemie weiter verschärft, als die Zahl der Lieferungen explodierte. Die Unia kritisiert auch die strategische Partnerschaft von Migros mit Smood. Die Migros ist seit 2019 Aktionärin und Kundin von Smood. Sie muss ihren Teil der Verantwortung für die prekären Arbeitsbedingungen am äussersten Ende der Produkt- oder Essenslieferkette (Last Mile Delivery) übernehmen.

Gemeinsame Medienmitteilung der Gewerkschaften Unia und SIT.