Das sind die Löhne von Aldi Schweiz
16.09.2005
Jetzt ist es raus: Aldi Schweiz zahlt für eine Vollzeitstelle im Verkauf 3696 Franken im ersten Anstellungsjahr und 3864 Franken im zweiten Anstellungsjahr. Unabhängig von Ausbildung oder Berufserfahrung. Damit liegen die Aldi- Löhne wie vermutet etwa 10 bis 15 Prozent über den durchschnittlichen Einstiegslöhnen im Verkauf. «Wir wissen, dass wir gute Arbeitsbedingungen bieten müssen, wenn wir motivierte Mitarbeiter wollen», sagt der Sprecher von Aldi Schweiz, Sven Bradke, zu work.
NUR TEILZEITJOBS
Doch so toll sind die Arbeitsbedingungen bei Aldi Schweiz nun auch wieder nicht. Leben wird vom Aldi-Lohn auf jeden Fall kaum jemand können. Denn Vollzeitangestellte werden vor allem für die Filialleitung und die Logistik gesucht. Für den Verkauf sucht Aldi Schweiz laut Bradke jedoch «vor allem Teilzeitangestellte ab 50 Stellenprozenten ». Auch das sieht Bradke eher positiv: «Das ist zum Beispiel ideal für Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen wollen.» Robert Schwarzer, Detailhandelsverantwortlicher bei der Unia, vermutet weniger soziale Motive: «Mit den Teilzeitpensen beutet Aldi die Arbeitskraft der Angestellten einfach optimal aus. Sie sind leistungsfähiger, und Aldi spart dabei erst noch Pensionskassenbeiträge. Auch sonst ist der Aldi- Lohn bei genauerer Betrachtung alles andere als Spitze. So sind die Einstiegslöhne für Ungelernte bei der Migros zwar um einiges niedriger als bei Aldi. Gelernte Verkäuferinnen und Verkäufer erhalten aber ab dem 20. Lebensjahr bei der Migros in Zürich mindestens 4000 Franken brutto (siehe Tabelle). Bei Billigdiscounter Carrefour immerhin noch 3950 Franken. Und bei der Migros müssen Verkäuferinnen und Verkäufer eine Stunde weniger pro Woche arbeiten. Bei Aldi gibt es ausserdem auch für über 50-Jährige nur fünf Wochen Ferien. Bei den grossen Konkurrentinnen Migros und Coop haben die älteren Angestellten sechs Wochen Ferien. «Ausserdem», so Unia-Mann Schwarzer, «sind die Aldi-Regelungen für die berufliche Vorsorge und zum Beispiel beim Mutterschaftsurlaub schlechter als bei der grossen Konkurrenz Migros und Coop.» Für den Lohn wird dem Aldi-Verkaufspersonal ohnehin einiges abverlangt. Die Personalkosten bei Aldi betragen gerade mal fünf Prozent des Umsatzes. In anderen Supermärkten sind es über zwölf Prozent. Die niedrigen Personalkosten bei Aldi erklären sich nur teilweise mit der schmucklosen Warenpräsentation in Kisten und Paletten. Laut Robert Schwarzer lastet auf dem Aldi-Personal ein noch grösserer Leistungsdruck als in anderen Einzelhandelsgeschäften.
PUTZEN GEHÖRT DAZU
«Zum einen ist die Personaldecke dünner, zum anderen muss das Aldi-Personal, von der Lagerarbeit bis zur Ladenreinigung, alle Arbeiten selbst erledigen.» Von einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) will Aldi ebenfalls nichts wissen. «Für einen GAV ist Aldi doch viel zu klein», sagt Sven Bradke. Der Aldi-Sprecher geht davon aus, dass pro Filiale durchschnittlich zwölf Verkäuferinnen und Verkäufer arbeiten. Immerhin: Laut Bradke will Aldi mittelfristig auch ein bis zwei Lehrlinge pro Filiale beschäftigen.
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