Zeit für die soziale Wende

Die Covid-Pandemie verschärft die soziale Ungleichheit: Während die Börsen boomen und Kapitalgewinne regelrecht explodieren, drohen breite Schichten zu verarmen. Darum braucht es jetzt einen Plan für soziale Gerechtigkeit. Auch in der Schweiz. Dafür sind wir am heutigen 1. Mai unterwegs.

Menschen aus sozial schlechter gestellten Haushalten haben ein höheres Infektions- und Sterberisiko. Und je weniger Einkommen sie vor Corona hatten, umso grössere Einbussen erleiden sie wegen der Pandemie. Das zeigt sich in Tausenden von Beratungsgesprächen in den Sekretariaten der Unia, und das belegen inzwischen mehrere wissenschaftliche Studien auch für die Schweiz.

Corona-Krise trifft Arbeitnehmende hart

Besonders hart ist die Lage für jene mit einem Einkommen unter 4000 Franken: Sie haben im Schnitt einen Fünftel ihres Einkommens eingebüsst. Allein in Gastgewerbe und Hotellerie sind zehntausende Arbeitsplätze akut gefährdet, und jeder fünfte Betrieb rechnet damit, die nächsten Monate nicht zu überleben. Gesundheitsrisiken und finanzielle Not führen bei sozial Schwächeren auch zu grösseren psychischen Belastungen: Je länger die Krise dauert, umso schlechter geht es ihnen.

Aber auch Arbeitnehmende in sogenannt essenziellen Berufen – also in vermeintlich Covid-sicheren Jobs – leiden unter besonderen Belastungen. Als die Pandemie im Frühling vergangenen Jahres einen ersten Höhepunkt erreichte und sich die Intensivstationen füllten, leisteten die Beschäftigten in der Pflege, im Verkaufs und der Logistik Überstunden, damit unser Leben weitergehen konnte. Dafür ernteten sie viel Applaus. Applaus und sonst – mit Ausnahme einiger mickriger Prämien im Gesundheitswesen und im Verkauf – nichts. Auch diese vermeintlichen «Held*innen» der ersten Stunde sind Corona-Opfer, über die Arbeitgeber und Behörden lieber nicht reden wollen.

Voller Lohnersatz, mehr GAV und Unterstützung betroffener Branchen

Covid verstärkt die bereits zuvor grassierende «Pandemie der sozialen Ungleichheit». Es droht eine tiefe soziale Spaltung. Dagegen gibt es nur eine wirksame Therapie: mehr Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Wir fordern:

  • Sozialer Ausgleich sofort mit einer Aufstockung des Lohnersatzes bei Kurzarbeit auf 100 Prozent für Löhne bis 5000 Franken netto. Der vom Parlament beschlossene Lohnersatz nur bis 3470 Franken brutto und bloss 80 Prozent ab 4340 Franken ist einfach zu wenig.
  • Mehr allgemeinverbindliche Branchen-Gesamtarbeitsverträge, mit anständigen Mindestlöhnen und erträglichen Arbeitsbedingungen – besonders in den kaum regulierten «essenziellen» Berufen des Dienstleistungssektors.
  • Mieterlasse für geschlossene Betriebe. Die Immobilienbranche bereichert sich heute auf Kosten der aufgrund der Pandemie geschlossenen Betriebe und des Steuerzahlers; den Betrieben droht währenddessen der Konkurs, den Angestellten die Entlassung. Das Parlament muss auf seinen Entscheid zurückkommen und die Immobilienbranche zu Mieterlassen von mindestens 40 Prozent verpflichten.

Es ist alles nur eine Frage politischen Willens. Geld für die Finanzierung des dringend nötigen sozialen Ausgleichs wäre in der Schweiz mehr als genug vorhanden. Und von guten Arbeitsbedingungen und mehr sozialer Gerechtigkeit profitieren letztlich alle.