DPD muss seine Verantwortung wahrnehmen: Verhandlungen jetzt!

Der Druck auf DPD wird stärker. Die gravierenden Missstände beim Paketlieferdienst empören die Öffentlichkeit und rufen die Behörden auf den Plan. Die Gewerkschaft Unia hat heute eine Petition von 187 Fahrer*innen aus allen 11 Depots in der Schweiz an DPD-CEO Tilmann Schultze übergeben und fordert Lösungen. DPD muss endlich mit den Fahrer*innen und der Unia verhandeln.

Die Petition der Zusteller*innen an DPD-CEO Tilmann Schultze spricht eine klare Sprache: «Wir liefern jeden Tag Pakete für DPD aus und sortieren sie im Lager. Das bei seit Jahren unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Sie sind in der Verantwortung, dies zu korrigieren.» Die 187 Fahrer*innen, welche die Petition namentlich unterzeichnet haben, fordern vom CEO:

  • die Erfassung und Bezahlung aller geleisteten Arbeitsstunden, auch in der Vergangenheit;
  • sofortige Verhandlungen mit den Fahrer*innen und Logistiker*innen sowie der Gewerkschaft Unia über den bereits im Februar bei DPD deponierten Forderungskatalog;
  • den Respekt der Gewerkschaftsrechte und das Ende der Drohungen gegen Gewerkschaftsmitglieder.

Diese Forderungen hat die Unia heute Morgen stellvertretend für die Fahrer*innen (die seit frühmorgens arbeiten müssen) am Hauptsitz von DPD Schweiz in Buchs (ZH) übergeben.

Die Verantwortung liegt bei DPD

Zwar versucht DPD zurzeit, sich aus der Verantwortung zu ziehen, und schiebt die Schuld an allen Problemen auf seine zahlreichen Subunternehmen. Dabei sind diese nur Rädchen im «System DPD» und kontrollieren z.B. weder die Anzahl Pakete noch die Gestaltung der Lieferrouten. Wenn bei zahlreichen Subunternehmen dieselben Missstände auftreten (überlange Arbeitstage, mangelnde Zeiterfassung, unbezahlte Überstunden, Autos in schlechtem Zustand), dann braucht es umfassende Lösungen. Der Schlüssel dazu liegt bei DPD. Denn selbst wenn es bei einzelnen Subunternehmen inzwischen kleine Verbesserungen gibt (etwa die erstmalige Erfassung eines Teils der Arbeitszeit), so braucht es Veränderungen bei den Rahmenbedingungen, die solch gravierende Zustände erst hervorgebracht haben.

PostCom interveniert, DPD steckt den Kopf in den Sand

Das sieht auch die Eidgenössische Postkommission (PostCom) so, die am 17. Mai die Auslagerung an Subunternehmen im Liefergeschäft als Problem anerkannt hat. Gegen «eine Anbieterin» (alles weist darauf hin, dass es sich um DPD handelt) hat die PostCom eine Aufsichtsmassnahme ausgesprochen, weil deren Verträge mit den Subunternehmen «nicht gewährleiste[n], dass die Subunternehmerinnen die branchenüblichen Arbeitsbedingungen einhalten». Insofern sind die medialen Äusserungen von DPD, weder bei DPD noch bei seinen Subunternehmen seien jemals Verstösse festgestellt worden, ziemlich abenteuerlich.

DPD hält Journalist*innen zum Narren

Auch sonst bewegt sich DPD argumentativ auf dünnem Eis. Nur einige Falschbehauptungen, die das Unternehmen in der letzten Wochen gegenüber den Medien machte:

  • Der geltende Gesamtarbeitsvertrag werde eingehalten. Fakt ist: Der GAV KEP+Mail, dem DPD angeschlossen war, gilt seit Ende 2020 nicht mehr. Derzeit herrscht ein vertragsloser Zustand. Für die Subunternehmen galt der GAV ohnehin nicht.
  • Die Unia äussere nur pauschale Vorwürfe. Fakt ist: Die Unia hat im Februar einen 35-seitigen Report zu den Missständen veröffentlicht und seither gemeinsam mit den Zusteller*innen und Logistiker*innen auch in einzelnen Depots und bei Subunternehmen konkrete Probleme beschrieben und entsprechende Forderungen gestellt (siehe auch Chronologie im Anhang), zudem sind einzelne Gerichtsverfahren im Gange.
  • Die Unia wolle gar nicht verhandeln. Fakt ist: Es gab seit 2020 zahllose Verhandlungsangebote und Aufforderungen zu Gesprächen an DPD Schweiz, deren CEO Tilmann Schultze und an Depotverantwortliche. Der Wille zu Verhandlungen wurde von der Unia und vom nationalen Komitee der Fahrer*innen wiederholt bekräftigt. DPD hat sich nie bereit erklärt, einen Gesprächstermin zu vereinbaren.

Ein internationaler Skandal

Das «System DPD» ist längst ein internationaler Skandal. Das zeigt ein offener Brief von 24 EU-Parlamentarier*innen an den Chef der Muttergesellschaft GeoPost, der am 11. Juni veröffentlicht wurde. Die Abgeordneten aus vier Parlamentsfraktionen und sieben Ländern fordern von DPD, «dass Sie die antigewerkschaftliche Politik beenden und in Verhandlungen mit den organisierten Arbeitnehmenden eintreten».

Verhandlungen jetzt!

Es ist Zeit, dass DPD seinen Fahrer*innen zuhört. Mit der heutigen Petition fordern diese einmal mehr, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Dass DPD mit ihnen zusammen über eine Lösung diskutiert, damit ihre geleistete Arbeit bezahlt und sie als Arbeitnehmende fair behandelt werden.