Respect@DPD!

Unia-Aktion bei DPD Möhlin

Die Arbeitsbedingungen der Paketzusteller*innen von DPD sind miserabel: überlange Arbeitszeiten, nicht bezahlte Arbeitsstunden, riesiger Stress. Schuld daran ist das «System DPD». Jetzt fordern die Beschäftigten Respekt.

Angesichts zahlreicher Missstände haben sich Fahrer*innen und Depot-Angestellte bei der Unia organisiert und verlangen von DPD Verhandlungen. Obwohl die Chauffeur*innen formell bei Subunternehmen angestellt sind, sehen sie DPD in der Pflicht, gegen die Verletzung ihrer Rechte vorzugehen. Die Antwort von DPD war bisher offene Ablehnung und Repression.

Eine Reihe von Missständen

Die der Unia bekannten Missstände innerhalb des «Systems DPD» betreffen so unterschiedliche Bereiche wie:

  • Lohnklau
  • überlange Arbeitszeiten
  • Verstösse gegen die Gesetze bei Nachtarbeit
  • fehlende obligatorische Essensspesen
  • unerlaubte Echtzeitüberwachung
  • missbräuchliche Lohnabzüge
  • krankmachende Belastung
  • fehlende Toiletten
  • Fahrzeuge in ungenügendem Zustand
  • die Verletzung von Gewerkschaftsrechten

DPD-Fahrer beschreiben Missstände

Nicht alle Verstösse kommen überall vor, aber alle treten gehäuft auf und prägen die miserablen Arbeitsbedingungen der Fahrer*innen. Die Verstösse sind im Report «Das System DPD» aufgelistet und erklärt.

Report lesen

Legitime Forderungen der Fahrer*innen

Im «System DPD» werden systematisch das Arbeitsgesetz und das Datenschutzgesetz verletzt. DPD muss dies sofort korrigieren und sich mit seinen Subunternehmer*innen sowie Fahrer*innen und ihrer Gewerkschaft an einen Tisch setzen und darüber verhandeln, wie der Lohnklau der letzten Jahre wiedergutgemacht werden kann.

Die Kontrollbehörden – die nationale Kommission PostCom und die kantonalen Arbeitsinspektorate –, unter deren Augen sich dieses System etablieren konnte, müssen das Ihre dazu beitragen, dass die Gesetze bei DPD wieder Geltung finden und der gesetzliche Schutz für die ausgebeuteten Arbeitnehmenden durchgesetzt wird.

Die Forderungen im Detail

Fatale gesellschaftliche Auswirkungen

Das «System DPD» beutet die darin Arbeitenden rücksichtslos aus. Doch das System hat noch weitreichendere Auswirkungen: Praktiken von DPD führen zu Dumpingverhältnissen in der Logistikbranche und darüber hinaus – zu Lasten der Arbeitnehmenden und der Sozialwerke.

Da in der Zustellung von Pakten die Lohnkosten einen entscheidenden Teil der Betriebsrechnung ausmachen, kann die Konkurrenz unmöglich regelkonform im Wettbewerb mithalten, wenn Dumping-Anbieter wie DPD mit den beschriebenen Praktiken bis zu einem Drittel der Lohnkosten einsparen. Wer selber kein ähnliches System anwendet, gerät unter Druck.

Die Spur führt nach Frankreich

In diesem Zusammenhang schon fast unglaublich: Die DPD (Schweiz) AG gehört den französischen Steuerzahler*innen. Folgt man den verschachtelten Besitzverhältnissen, führt die Spur zur französischen Le Groupe La Poste, welche zu 100% in der Hand des französischen Staates ist.

Behörden müssen kontrollieren, Politik muss handeln

Um solchen Praktiken vorzubeugen, braucht es neben guten Kontrollen der Arbeitsbedingungen auch angepasste und verbesserte Rahmenbedingungen. Die Unia stellt diesbezüglich drei Forderungen an Behörden und Politik:
 

  1. Digitale Fahrtenschreiber für den beruflichen Warentransport mit Fahrzeugen ab 2,4 Tonnen
  2. Ein Postgesetz, welches Pakete über 20 Kilogramm reguliert
  3. Solidarhaftung für die Logistik- und Transportbranche