Auf der Baustelle Rietpark in Schlieren liegen Schaufeln und Pickel unberührt vor der Baubaracke. Weder im Kran noch im Bagger sitzt ein Bauarbeiter. Der sonst nach der Mittagspause wieder einsetzende Baulärm blieb heute Mittag völlig aus.
Aus Protest gegen das mickrige Lohnangebot für 2011 legten heute rund 100 Arbeiter aus dem Bauhaupt- sowie dem Ausbaugewerbe eine verlängerte Mittagspause ein. Die Protestierenden werden sich eine doppelt so lange Mittagsruhe nehmen als üblich und ihre Arbeit erst wieder um 13.30 Uhr aufnehmen.
Der Unmut der Bauarbeiter, Maler, Gipser und Elektriker richtet sich gegen das mickrige Lohnangebot für 2011. Trotz boomender Baubranche ist der Schweizer Baumeisterverband lediglich zu einer Lohnerhöhung von 0,6 Prozent bereit. Für Bauarbeiter mit tiefen Löhnen macht das gerade mal 26 Franken mehr im Monat aus. Im Hinblick auf die steigenden Krankenkassenprämien für das kommende Jahr bleibt den Arbeitnehmern von dieser mageren Lohnerhöhung kein Franken mehr im Portemonnaie. Die gleiche Situation erleben die Arbeitnehmenden des Ausbaugewerbes. Ihre Arbeitgeberverbände zeigen sich ähnlich knauserig wie der Baumeisterverband und legten bisher keine akzeptablen Lohnangebote für das kommende Jahr vor.
Aufgrund der vollen Auftragsbücher und der erwirtschafteten Gewinne der Baubranche fordern die Gewerkschaften 150 Franken mehr Lohn. Dieser Betrag ist für das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe mehr als tragbar und für die Arbeitnehmer notwenig. Die von den Bauarbeitern eigenständig verlängerten Mittagspausen sind Teil einer landesweiten Protestwelle für eine gerechte Lohnerhöhung. Im Raum Zürich wird es diese Woche zu weiteren, vorübergehenden Arbeitsniederlegungen rund um die Mittagszeit kommen.
Weitere Auskünfte:
Christian Capacoel, Sektionsleiter
Per Johansson, Mediensprecher Unia Zürich
Gewerkschaft Unia 2026