Skandalöse Zustände im «System DPD»: Fahrer*innen fordern Verhandlungen

Die Arbeitsbedingungen der Paketzusteller*innen von DPD sind miserabel: überlange Arbeitszeiten, nicht bezahlte Arbeitsstunden, riesiger Stress, Überwachung. Jetzt fordern die Beschäftigten DPD zu Verhandlungen auf. Die Gewerkschaft Unia leuchtet mit einem Report das «System DPD» aus und zeigt, wie schlechte Arbeitsbedingungen gefördert werden.

Die Liste der Probleme bei DPD ist lang: Fahrer*innen berichten über regelmässige 12- bis 14-Stunden-Tage, wobei die Überstunden nicht bezahlt werden. Neben diesem Lohnklau gibt es missbräuchliche Lohnabzüge, Verstösse gegen die Gesetze bei Nachtarbeit, fehlende obligatorische Essensspesen, unerlaubte Echtzeitüberwachung, krankmachende Belastung, fehlende Toiletten, Fahrzeuge in ungenügendem Zustand, unbekannte Covid-Schutzkonzepte Zudem werden die Gewerkschaftsrechte der Beschäftigten verletzt.

Das «System DPD»

Zwar sind die Fahrer*innen nicht direkt bei DPD angestellt, sondern bei etwa 80 Subunternehmen, deren einziger Zweck die Ausführung von DPD-Lieferungen ist. DPD wälzt systematisch Risiken und Kosten auf Subunternehmer und Arbeitnehmende ab, behält aber die volle Kontrolle über alle Operationen. Wie dieses System funktioniert und warum es zu den beschriebenen schrecklichen Arbeitsbedingungen führt, beschreibt die Gewerkschaft Unia im Report «Das System DPD» unter Bezugnahme auf Hunderte Gespräche mit Fahrer*innen in den letzten Monaten.

Fahrer*innen fordern Verhandlungen, DPD blockt ab

Klar ist: Wenn im «System DPD» systematisch das Arbeitsgesetz und das Datenschutzgesetz verletzt werden und Löhne nicht korrekt ausbezahlt werden, hat DPD eine Verantwortung, diese Missstände zu beheben. Angesichts der zahlreichen Probleme haben sich Fahrer*innen und Depot-Angestellte bei der Unia organisiert und von DPD Verhandlungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen verlangt. Die Antwort von DPD war bisher offene Ablehnung und Repression.

Fatale gesellschaftliche Auswirkungen

Neben der direkten Ausbeutung der Beschäftigten haben die Praktiken von DPD verheerende Auswirkungen in der Logistikbranche und darüber hinaus. Da in der Zustellung die Lohnkosten einen entscheidenden Teil der Betriebsrechnung ausmachen, kann die Konkurrenz unmöglich regelkonform im Wettbewerb mithalten, wenn Dumping-Anbieter mit den beschriebenen Praktiken bis zu einem Drittel der Lohnkosten einsparen. So wird unter anderem die Schweizerische Post direkt durch DPD konkurrenziert – ein Unternehmen, das in letzter Instant der französischen Le Groupe La Poste bzw. dem französischen Staat gehört.

Behörden müssen kontrollieren, Politik muss handeln

DPD ist im Rahmen des Postgesetzes verpflichtet, die Einhaltung der branchenüblichen Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. DPD muss also überwachen, ob seine Subunternehmer die Gesetze einhalten, und einzugreifen, wenn Zuwiderhandlungen feststellt werden. Da dies nicht geschieht, muss die PostCom als Aufsichtsbehörde für den Postmarkt eingreifen. Auch die kantonalen Arbeitsinspektorate müssen bei offensichtlicher Verletzung des Arbeitsgesetzes aktiv werden.

Zudem braucht es einen neuen Gesamtarbeitsvertrag für die Branche (im Moment herrscht ein vertragsloser Zustand), welcher die Probleme ernsthaft angeht und in dem die repräsentativen Gewerkschaften wie die Unia am Verhandlungstisch sitzen. Weitergehende Forderungen an die Politik finden sich im angesprochenen Report.