DPD in Vilters: ein Tieflohnstandort im schicken Skigebiet

Die Unia kämpft gemeinsam mit den DPD-Fahrer*innen für bessere Arbeitsbedingungen.

Ein Besuch im DPD-Depot in Vilters (SG) zeigt: Auch hier sind die Arbeitstage lang, auch hier werden Überstunden nicht bezahlt.

Mittwoch, 22. September 2021, frühmorgens um 5:30 Uhr: Die Berglandschaft um Vilters (SG) ist noch dunkel. Im DPD-Depot am Ortsausgang brennt bereits Licht. Die überwiegend neu aussehenden Fahrzeuge stehen am Förderband und ein Disponent trifft Vorbereitungen für den Tag. Alles ist kameraüberwacht. Ab 5:45 Uhr treffen die meisten der rund 25 Fahrer*innen für die Paketauslieferung ein. Es wird noch kurz geraucht und Absprachen getroffen.

2,5 Stunden Pakete aufladen

Um 6 Uhr geht es los: Die Fahrzeuge werden beladen. Quer über einen der beiden Eingänge wird ein Förderband gezogen. Wer sein Fahrzeug beladen hat, muss bis zur Ausfahrt warten, bis es wieder entfernt ist. An den Rampen für die Anlieferung neuer Pakete rangieren Camions mit Containeranhängern. Es ist eng. Um richtig rangieren zu können, müssen sie auch die schmale öffentliche Strasse direkt am Depot mitbenutzen. Noch ein Flaschenhals.

Wartezeiten auch nach der Auslieferung

Gegen 8:30 Uhr ist es soweit: Die Lieferwagen sind beladen und die Auslieferung kann beginnen. Die Fahrer*innen schwärmen aus. Als sie am Nachmittag nach acht oder neun Stunden Arbeit zurückkommen, entstehen kleine Staus an den Ausladeplätzen. Sie berichten von Warte- und Ausladezeiten von teilweise mehr als einer Stunde nach der eigentlichen Auslieferungsarbeit. Es wird deutlich: Dieses Depot wurde nicht für die Bewältigung solch grosser Paketmengen gebaut.

Im Winter werden die Tage länger

In den zurückliegenden Sommermonaten seien die Arbeitszeiten recht normal gewesen, sagen die Fahrer*innen – wenngleich sich einer beschwert, dass er gestern mal wieder einen 12-Stunden-Tag hatte. Natürlich ohne eine Kompensation. Viele der Fahrer*innen sind erst kurz bei DPD, manche sind schon wieder auf dem Sprung zu einem neuen Job. Aber wer länger dabei ist, weiss, dass es bald losgeht mit extrem langen Arbeitstagen. Im Winter erwarten die Fahrer*innen, wieder um 5:30 Uhr anzufangen und vor allem, dass sie dann meist bis am Abend Pakete ausliefern müssen.

Arbeitszeit wird nicht erfasst

Eine Kompensation der Überstunden in Form von Zeit oder Geld gibt es hier nicht. Nur ein Fahrer gibt an, überhaupt eine Zeiterfassung zu haben. Andere wissen davon nichts. Immerhin: Lohnabrechnungen gibt es. Der Lohn ist aber immer der gleiche, unabhängig von den gearbeiteten Stunden. Und die Löhne sind niedrig: In dieser schönen Ferienregion mit ihren exklusiven Ski- und Kurangeboten berichten die DPD-Fahrer*innen von Löhnen zwischen 3800 und 4200 Franken, inklusive Spesen. Auf einen grünen Zweig kommt damit höchstens DPD, die Fahrer*innen sicher nicht. Skiferien für die eigenen Kinder? Wohl Fehlanzeige.