Lohnschere-Studie 2021

Im Corona-Jahr 2020: Top-Manager und Aktionär*innen sahnen ab, Angestellte sorgen sich um ihre Zukunft

Während die Corona-Krise viele Arbeitnehmende infolge Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in existenzielle Nöte bringt, langten die CEO und Aktionär*innen bei den Löhnen und Vergütungen auch im vergangenen Jahr 2020 schamlos zu. Die Lohnschere-Studie der Unia zeigt:

Durchschnittliche Lohnschere

Die Lohnschere blieb auf sehr hohem Niveau weit offen. 2020 betrug das Verhältnis zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn bei den untersuchten Konzernen in der Schweiz im Schnitt 1:137.

Die grösste Lohnschere hat Roche

Das Gehalt von Severin Schwan von 14,6 Millionen stand in einem Verhältnis von 1: 298 zum tiefst möglichen Roche-Lohn in der Schweiz. Eine beim Pharmariesen angestellte Person müsste also 298 Jahre arbeiten, um das Jahresgehalt des CEO zu erreichen.

Mehr Dividenden ausgeschüttet

Die Dividendenauszahlungen an die Aktionär*innen stiegen im Krisenjahr 2020 um rund 5 Prozent. Das Total der Auszahlungen (Dividenden und Aktienrückkäufe) betrug 60,6 Milliarden Franken. Nestlé, Roche und Novartis zahlten zusammen exorbitante 33,1 Milliarden Franken an ihre Aktionär*innen aus.

EMS Chemie: Mehr Geld für die Aktionär*innen als fürs Personal

Vier Unternehmen zahlten 2020 mehr Geld an die Aktionär*innen aus als an ihre Mitarbeitenden. Unrühmlich an der Spitze dabei wiederum die EMS Chemie: Die Aktionär*innen erhielten 468 Millionen Franken und somit 69 Prozent. Allein die Blocher-Töchter sackten fast 49 Prozent ein – dies ist mehr als der gesamte Personalaufwand, welcher bei 31 Prozent lag.

Dividenden trotz Kurzarbeit

14 der untersuchten Konzerne nahmen im Corona-Jahr 2020 staatliche Kurzarbeitsentschädigung in Anspruch und schütteten gleichzeitig Dividenden aus, zusammen total 8,2 Milliarden Franken.

2020 wurden insgesamt 360,5 Millionen Stunden Kurzarbeit abgerechnet, insbesondere in Gastronomie, Beherbergung und Detailhandel. Die Angestellten dieser Branchen mussten meist mit nur 80 Prozent der eh schon tiefen Löhne durchkommen.

Jährliche Studie der Unia

Die Unia publiziert jedes Jahr eine Studie zur Entwicklung der Lohnschere in der Schweiz. Dabei nimmt sie die Löhne von 37 grossen Schweizer Unternehmen unter die Lupe und vergleicht den höchsten Lohn (meist den des CEO) mit dem tiefst möglichen Lohn im selben Unternehmen. Neben der Lohnschere untersucht sie auch die Verteilung zwischen Kapital und Arbeit.