Coronavirus: Was Sie wissen müssen

Aufgrund der aktuellen Situation und der Ausbreitung des neuen Coronavirus stellen sich auch in der Arbeitswelt rechtliche Fragen: Was gilt, wenn mein Kind krank ist? Darf der Arbeitgeber über eine Quarantäne verfügen? Erhalte ich weiter den vollen Lohn? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten.

Finden Sie in den unterstehenden FAQ keine Antwort auf Ihre Frage? Dann schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an!

Diese Fragen & Antworten in weiteren Sprachen:

Kein Lohn? Zu wenig Arbeitseinsätze?

Sagen Sie Ihrem Arbeitgeber, was Ihre Rechte sind! Die Unia stellt Ihnen hier Word-Briefvorlagen zur Verfügung, die Sie herunterladen und anpassen können.

Briefvorlagen

Was tun bei Corona-Verdacht? Quarantäne für wen?

  • Gehöre ich zur Risikogruppe?

    Wenn Sie 65 Jahre und älter sind, dann ja. Ebenso, wenn Sie Vorerkrankungen haben wie chronische Lungen- und Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthockdruck, Diabetes.

    Zur Risikogruppe zählen Sie auch dann, wenn Sie schwanger sind oder Therapien erhalten, die das Immunsystem schwächen. (Art. 10b, Covid-19-Verordnung 2).

  • Ich glaube, ich habe mich mit dem Coronavirus angesteckt. Was soll ich tun?

    Rufen Sie Ihren Arzt an, er wird eine erste Diagnose stellen und Ihnen erklären, was zu tun ist. Ihrem Arbeitgeber gegenüber sind Sie nicht verpflichtet, ärztliche Diagnosen preiszugeben.

    Sollten Sie mit Coronavirus angesteckt sein, empfehlen wir Ihnen aber, Ihren Chef zu informieren, damit dieser die nötigen Schutzmassnahmen treffen kann.

  • Der Hausarzt ist überlastet, ich bin nach 4 Tagen noch ohne Zeugnis. Was nun?

    Teilen Sie Ihrem Chef – am besten schriftlich – mit, dass Sie aufgrund der besonderen Situation leider noch kein Arztzeugnis erhalten haben, dies aber so schnell wie möglich nachholen werden. Erklären Sie Ihrem Arbeitgeber, dass die Behörden empfehlen, in der ausserordentlichen Krisenlage erst ab dem 5. Tag der Abwesenheit von der Arbeit das Arzt-Attest einzufordern – dies damit das Gesundheitswesen nicht überlastet wird.

  • Kann mir der Arbeitgeber kündigen, weil ich zur Risikogruppe gehöre?

    Leider kann er tatsächlich gültig kündigen. Aber: Diese Kündigung ist missbräuchlich. Er schuldet Ihnen bis zu 6 Monatslöhne Entschädigung. Sie müssen innerhalb der Kündigungsfrist schriftlich beim Arbeitgeber gegen diese protestieren.

  • Aus Angst vor Ansteckung verlasse ich meinen Arbeitsplatz. Was riskiere ich?

    Wenn keine entsprechende Anweisung der Behörden vorliegt, riskieren Sie, dass man Ihnen unbegründete Arbeitsverweigerung vorwirft – dann verlieren Sie den Anspruch auf Lohnzahlung. Mehr noch: der Arbeitgeber kann Sie nach einer Verwarnung fristlos entlassen und gar eine Entschädigung von bis zu 25 Prozent des Monatslohns fordern.

    Sind Ihre Befürchtungen jedoch begründet (etwa weil Ihr Arbeitgeber die behördlichen Schutzmassnahmen nicht einhält), haben Sie das Recht, die Arbeit zu verweigern. Der Arbeitgeber muss Ihnen dann weiterhin den Lohn zahlen. Weisen Sie aber vor diesem Schritt Ihren Chef darauf hin, dass ein Missstand besteht und er diesen rasch beheben sollte. Tun Sie dies am besten schriftlich oder in Gegenwart von Kolleginnen und Kollegen. Reagiert Ihr Chef dann nicht, können Sie die Arbeit verweigern. Wir empfehlen Ihnen aber, sich mit Arbeitskollegen und -kolleginnen zusammenzutun und/oder Ihre Gewerkschaft beizuziehen. Denn sollte es zum Streitfall kommen, bliebe der Missstand nachzuweisen. Auch können Sie das kantonale Arbeitsinspektorat einschalten, dieses kann den Arbeitgeber sanktionieren.

    Adressen der kantonalen Arbeitsinspektorate.

  • Ich bin in den Ferien. Jetzt hat der Bund meine Feriendestination zum Risikoland erklärt, als Rückkehrer muss ich für 10 Tage in Quarantäne. Was muss ich tun?

    Da Sie in die Ferien gefahren sind, bevor der Bundesrat das Land als Risikogebiet eingestuft hat, haben Sie mindestens Anspruch auf Erwerbsersatz in Höhe von 80 Prozent des Lohnes während der Quarantäne. Sie müssen sich nach der Rückkehr innerhalb von zwei Tagen bei den zuständigen kantonalen Behörden melden, damit die Quarantäne behördlich angeordnet wird. Dies ist Voraussetzung für den Erwerbsersatz. Den Erwerbsersatz müssen Sie bei Ihrer AHV-Ausgleichskasse geltend machen. Weitere Informationen zur Einreise und Quarantäne

    Sprechen Sie zudem mit Ihrem Arbeitgeber. Die Unia ist der Meinung, dass Ihnen der Arbeitgeber auch während der Quarantäne den vollen Lohn schuldet, da die Einhaltung der Quarantäne eine gesetzliche Pflicht ist (Art. 324a OR). Diese Rechtseinschätzung ist aber noch umstritten und muss letztlich von einem Gericht entschieden werden. Bereits heute zahlen jedoch viele Arbeitgeber den Lohn während der Quarantäne. Weisen Sie den Arbeitgeber darauf hin, dass er sich den Erwerbsersatz auszahlen lassen kann, wenn er Ihnen den Lohn zahlt.

    Kein Anspruch auf Lohn oder Erwerbsersatz besteht, wer in ein Land fährt, nachdem dieses als Risikoland bezeichnet wurde, und deswegen nach der Rückkehr 10 Tage in Quarantäne muss.

  • Ich war in Spanien in den Ferien. Nach meiner Rückkehr wurde Spanien zum Risikoland erklärt. Muss ich nun auch in Quarantäne?

    Nein. Wenn Sie zum Zeitpunkt, da ein Land zum Risikoland erklärt wird, bereits wieder in der Schweiz sind, müssen Sie nicht in Quarantäne.

  • Ich bin unter Quarantäne gestellt worden. Welche Entschädigung steht mir zu?

    Anspruch auf Entschädigung hat, wer zum Zeitpunkt der Unterbrechung der Arbeit angestellt oder selbständig erwerbend und obligatorisch AHV-versichert ist. Das Alter spielt keine Rolle. Die Quarantäne muss ärztlich oder behördlich angeordnet worden sein. Rufen Sie im Zweifelsfall ihren Arzt an. Sie müssen den Anspruch auf Erwerbsersatz selbst bei Ihrer Ausgleichskasse geltend machen.

    Für das Antragsformular für Erwerbsausfall-Entschädigung und weitere Informationen: https://www.ahv-iv.ch/de/

    Sprechen Sie zudem mit Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber. Die Unia ist der Meinung, dass Ihnen auch während der Quarantäne der volle Lohn geschuldet ist, da die Einhaltung der Quarantäne eine gesetzliche Pflicht ist (Art. 324a OR). Diese Rechtseinschätzung ist aber noch umstritten und muss letztlich von einem Gericht entschieden werden. Bereits heute zahlen jedoch viele Arbeitgebet den Lohn während der Quarantäne. Weisen Sie Ihre vorgesetzte Stelle darauf hin, dass der Betrieb sich den Erwerbsersatz auszahlen lassen kann, wenn er Ihnen den Lohn zahlt.

    Kein Anspruch auf Lohn oder Erwerbsersatz besteht, wer in ein Land fährt, nachdem dieses als Risikoland bezeichnet wurde.

  • Ich bin von Covid-19 genesen, aber laut dem Arzt allenfalls noch ansteckend und muss weiter zu Hause bleiben. Zahlt die Krankentaggeldversicherung weiter?

    Ja. Solange Ihr Arzt weiterhin ein Arztzeugnis ausstellt und Sie damit arbeitsunfähig schreibt, erhalten Sie weiter Krankentaggeld.

  • Ich bin in Selbstisolation. Habe ich Anrecht auf Erwerbsausfall-Entschädigung?

    Wenn Sie selbst erkrankt und ärztlich krankgeschrieben sind, haben Sie – wie bei Krankheit üblich – Anspruch auf Lohnfortzahlung oder auf Krankentaggeld, sofern der Arbeitgeber eine entsprechende Versicherung für Sie abgeschlossen hat.

    Wenn Sie selbst nicht erkrankt sind, aber wegen Kontakts mit einer positiv getesteten Person behördlich oder ärztlich in Quarantäne geschickt wurden, haben Sie während der Corona-Krise Anspruch auf Erwerbsausfall-Entschädigung. Wenn Sie sich selbst ohne behördliche Anweisung oder ärztliches Attest in Selbstisolation begeben, haben Sie keinen Anspruch auf Entschädigung.

Gesundheitsschutz im Betrieb: Was darf der Chef?

  • Der Corona-Test eines meiner Kollegen war positiv. Nun verlangt mein Chef, dass sich alle Mitarbeitenden testen lassen. Darf er das? Wer zahlt den Test?

    Grundsätzlich nicht. Dieser Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte wäre nur gerechtfertigt, wenn sie bei Ihrer Tätigkeit mit besonders gefährdeten Personen arbeiten. Beispielsweise in einem Spital oder Pflegeheim. Für die Kosten hat der Arbeitgeber aufzukommen, solange der Test nicht behördlich oder ärztlich angeordnet wurde. Ist der Test angeordnet, dann ist er für den Arbeitnehmenden kostenlos.

  • Darf mir der Chef einen anderen Arbeitsort oder eine andere Tätigkeit zuweisen?

    Im Prinzip ja, aber… In Ausnahmefällen wie der Corona-Krise ist es dem Arbeitgeber erlaubt, von Ihnen vorübergehend andere Arbeiten oder einen anderen Arbeitsort zu verlangen. Dieses Weisungsrecht ist aber begrenzt: Die neue Arbeit oder der neue Ort müssen zumutbar sein und dürfen Ihre Persönlichkeitsrechte nicht verletzen – was stets im Einzelfall beurteilt werden muss.

    Zum Beispiel: Weist Ihnen der Chef einen weit entfernten Arbeitsort zu, was mit Ihren familiären Pflichten nicht vereinbar ist, könnten Sie den neuen Arbeitsort verweigern. Versuchen Sie aber in einem ersten Schritt, Ihrem Arbeitgeber Ihre Lage zu erklären.

  • Damit weniger Leute gleichzeitig im Büro sind, hat mein Chef die Arbeitsstunden reduziert – und will mir nun weniger Lohn auszahlen. Geht das?

    Nein, das darf er nicht. Ihr Chef hat zwar die Pflicht, Ihre Gesundheit zu schützen, aber es geht nicht an, Sie dafür die Zeche zahlen zu lassen. Sie behalten Ihr Recht auf den bisherigen Lohn. Machen Sie den Arbeitgeber doch stattdessen auf die Möglichkeit aufmerksam, dass er als Ausgleich für die reduzierten Arbeitsstunden Kurzarbeit beantragen kann.

  • Was müssen Arbeitgeber zum Schutz von Risikogruppen-Angehörigen tun?

    Der Bundesrat hat am 18. Oktober die Arbeitgeber aufgrund der zunehmenden Anzahl an Infizierten und Erkrankten aufgefordert, Arbeitnehmende im Homeoffice arbeiten zu lassen, sofern dies betrieblich möglich ist. Insbesondere bei Personen der Risikogruppe sind die Arbeitgeber verpflichtet, Homeoffice zu ermöglichen, wenn immer es möglich ist.

    Ist Homeoffice aufgrund der Art des Betriebs absolut unmöglich, muss der Arbeitgeber durch andere Massnahmen für den Schutz der Arbeitnehmenden sorgen. Kann der empfohlene Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden, müssen andere technische oder organisatorische Schutzmassnahmen getroffen werden. Dazu gehören namentlich die Einführung getrennter Arbeitsteams, separater Arbeitsplätze und das Tragen von Masken.

  • Mein Betrieb hält die behördlich geforderten Massnahmen nicht ein. Was tun?

    Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, alle nötigen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit der Beschäftigten zu treffen.

    Verletzt der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht, sollten Sie und allenfalls mitbetroffene Kolleginnen und Kollegen schriftlich den Chef auf diesen Missstand aufmerksam machen und eine kurze Frist ansetzen, innert der für Abhilfe zu sorgen ist. Drohen Sie an, die Arbeit sonst niederzulegen.

    Bessert sich die Lage innert der Frist nicht, können Mitarbeitende die Arbeitsleistung verweigern, wobei der Chef den Lohn weiterzahlen muss. Arbeitsverweigerung ist allerdings eine relativ schwere Massnahme, deshalb empfiehlt es sich, vor einer solchen Aktion mit dem kantonalen Arbeitsinspektorat in Kontakt zu treten und bei der Gewerkschaft Rat zu holen.

  • Ich bin angestellt und schwanger. Was muss ich in Sachen Arbeitsplatz wissen?

    Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Sie an Ihrem Arbeitsplatz optimal vor dem Coronavirus geschützt werden (Mutterschutzverordnung und Art. 10 der COVID-19-Verordnung besondere Lage). Kann der empfohlene Abstand nicht eingehalten werden, müssen Massnahmen ergriffen werden, um das STOP-Prinzip durchzusetzen (STOP = Substitution, technische Massnahmen, organisatorische Massnahmen, persönliche Schutzausrüstung). Dazu kann auch zurückgegriffen werden auf Homeoffice, physische Trennung, Trennung von Teams, Gesichtsmasken.

    Ist der Arbeitgeber nicht in der Lage, die notwendigen Schutzmassnahmen zu ergreifen, gleichwertige Arbeit anzubieten oder Homeoe Office anzubieten, besprechen Sie dies mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin. Er oder sie kann ein Beschäftigungsverbot aussprechen, weil Sie am Arbeitsplatz gefährdet sind. Mit Beschäftigungsverbot müssen Sie nicht mehr arbeiten und haben Anspruch auf 80 Prozent Ihres Lohnes (Art. 35 ArG).

Arbeiten im Homeoffice

  • Ich bin wegen der hohen Infektionszahlen mit Covid-19 besorgt und möchte Homeoffice machen. Darf ich das?

    Am 18. Oktober hat der Bundesrat die Homeoffice-Empfehlung ausgesprochen. Arbeitgeber sollen ihren Arbeitnehmenden Homeoffice ermöglichen, sofern dies betrieblich möglich ist.

  • Unser Betrieb hat nun auf Homeoffice umgestellt. Was gilt es da zu beachten?

    Der Bundesrat hat am 18. Oktober 2020 eine Homeoffice-Empfehlung ausgesprochen,  wo immer dies betrieblich möglich ist.

    Auch im Homeoffice gilt das Arbeitsgesetz, das den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz regelt.

    • Die Chefin oder der Chef muss die Arbeit geeignet organisieren und die nötigen Arbeitsinstrumente und Arbeitsmaterialen zur Verfügung stellen.
    • Sofern nicht vorhanden, muss der Arbeitgeber auf seine Kosten für einen geeigneten Arbeitsplatz sorgen (ergonomischer Bürostuhl und Tisch, genügend grosser Bildschirm usw.) und allfällige Auslagen (Internet, Strom usw.) entschädigen. 
    • Auch die Bestimmungen zu Arbeits- und Ruhezeiten gelten im Homeoffice unverändert – wesentlich ist, dass die Grenze zwischen Arbeits- und Freizeit aufrechterhalten wird.

    Angestellte mit Betreuungspflichten haben Anrecht auf besondere Rücksicht auf ihre Bedürfnisse, um Familie und Arbeit zu vereinbaren.

  • Mein Wohnzimmer wurde wegen Homeoffice zum Büro, werde ich entschädigt?

    Ja. Wenn Sie auf Verlangen Ihres Arbeitgebers für Ihre berufliche Tätigkeit Ihre Wohnung nutzen müssen, schuldet dieser Ihnen dafür eine Entschädigung. Wie hoch diese ist, hängt von der Miete ab. Zudem muss berücksichtigt werden, dass Sie Ihr Wohnzimmer trotzdem weiterhin privat nutzen können. Können Sie sich mit dem Arbeitgeber nicht einigen, müsste am Ende ein Gericht eine Schätzung vornehmen. Das Bundesgericht sprach 2019 für die Nutzung eines Zimmers als Büro/Archiv CHF 150 pro Monat zu (BGE 4A_533/2018).

Kinderbetreuung - zu Hause bleiben, wann und wie?

  • Wie und wo beantrage ich Entschädigung, wenn ich Kinder betreuen muss?

    Voraussetzung ist, dass die Betreuung von Kindern bis 12 Jahre wegen behördlicher Massnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie ausfällt. Anspruchsberechtigt ist, wer angestellt oder selbständig erwerbend sowie AHV-versichert ist. Kein Anspruch besteht während der Schulferien, ausser eine besonders gefährdete Person oder die Schule hätten die Ferienbetreuung übernommen oder organisiert.

    Der Anspruch muss über das Formular «Anmeldung für die Corona-Erwerbsersatzentschädigung» geltend gemacht werden. Die Entschädigung muss bei der zuständigen AHV-Ausgleichskasse angemeldet werden, und zwar vom betreuenden Elternteil. Erfüllen beide Elternteile Betreuungsaufgaben, können sie sich beide anmelden. Die Kasse zahlt aber nur eine Zulage aus. Denn es wird davon ausgegangen, dass es in der Regel eine Person braucht für die Kinderbetreuung, während die andere Person stattdessen arbeiten kann.

    Die Ausgleichskasse überweist die Entschädigung direkt an die Person, die Anspruch hat. Zahlt der Arbeitgeber weiterhin Lohn, wird die Entschädigung an ihn ausbezahlt. Der Anspruch auf Entschädigung erlischt, sobald Sie eine Betreuungslösung gefunden haben oder die Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus aufgehoben wurden. Für selbständig Erwerbende endet der Anspruch, wenn 30 Taggelder gezahlt wurden.

    Mehr Informationen: Entschädigung für Erwerbsausfall bei Massnahmen gegen das Coronavirus Fragen und Antworten des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV)

    Die bisherige rechtliche Grundlage für Erwerbsausfall aufgrund von Quarantäne endete am 16.09.2020. Seitdem müssen Anträge für Entschädigung neu eingereicht werden.

    Zum Antragsformular

  • Was mache ich, wenn mein Kind krank ist und ich zu Hause bleiben muss?

    Sie können gegen Vorlage eines Arztzeugnisses mindestes 3 Tage arbeitsfrei nehmen. Aufgrund Ihrer gesetzlichen Pflicht, sich um Ihr Kind zu kümmern, auch länger. Sie sind allerdings dazu verpflichtet, rasch für eine andere Lösung zu sorgen, also eine Fremdbetreuung zu organisieren. Solange die Fremdbetreuung nicht organisiert ist, muss der Arbeitgeber mindestens 3 Tage, wenn nötig einige Tage länger weiterhin den Lohn zahlen – vorausgesetzt, Sie unternehmen das Nötige, um rasch eine Fremdbetreuung zu finden (Art. 324a OR).

Betriebsschliessung, Kurzarbeit, Lohnfortzahlung

  • Mein Betrieb ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Bekomme ich den Lohn?

    Ja. Wenn der Arbeitgeber von sich aus entschieden hat, den Betrieb zu schliessen, ist er zur Lohnfortzahlung verpflichtet. Ebenso, wenn das Unternehmen auf behördlichen Entscheid hin schliessen muss, dies fällt unter das Betriebs- und Wirtschaftsrisiko. Der Arbeitgeber könnte allerdings auch Kurzarbeit anmelden.

  • Wann kann der Arbeitgeber Kurzarbeitsentschädigung (KAE) geltend machen?

    Kurzarbeit kann beantragt werden, wenn es aus wirtschaftlichen Gründen (Konjunktur, strukturelle Gründe) zu Arbeitsausfällen kommt. Der Arbeitsausfall aufgrund rückläufiger Nachfrage aufgrund der Corona-Epidemie gehört zu den wirtschaftlichen Gründen.

    Kurzarbeit kann auch beantragt werden, wenn der Arbeitsausfall auf eine behördliche Massnahme zurückzuführen ist (z.B. Betriebsschliessungen, Abriegelung von Städten, Grenzschliessung).

    Vorerst noch bis am 31.12.20 gilt:

    • Überstunden müssen vor der Geltendmachung von Kurzarbeit nicht abgebaut werden.
    • Wird während der Kurzarbeit eine Zwischenbeschäftigung angenommen, wird das Einkommen aus dieser nicht an die Kurzarbeitsentschädigung angerechnet.
  • Per 1. September 2020 ist der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung wieder eingeschränkt worden. Wer ist betroffen? Welche anderen Änderungen gibt es?

    Befristet Angestellte, temporär Angestellte und Angestellte auf Abruf erhalten keine Kurzarbeitsentschädigung mehr.

    Es gilt neu 1 Karenztag. Die Kurzarbeit kann neu wieder nur für 3 Monate beantragt werden, statt 6 Monate. Die maximale Bezugsdauer wird auf 18 Monate verlängert (statt 12 Monate) Zudem werden seit 1.09.2020 die Überstunden bei der Kurzarbeit wieder berücksichtigt.

  • Wo liegen die Altersgrenzen für den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

    Der Anspruch beginnt mit dem Abschluss der obligatorischen Schulzeit und besteht bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Rentenalters; der Anspruch endet, sobald keine Arbeitslosenbeiträge mehr ausgerichtet werden, das heisst im Folgemonat nach dem 64. respektive 65. Geburtstag. Keinen Anspruch haben Lernende.

  • Braucht der Chef mein Einverständnis für Kurzarbeit? Kann ich mich weigern?

    Mit Kurzarbeit erhalten Sie nur 80 Prozent des bisherigen Lohns ausbezahlt. Deshalb braucht es zwingend Ihr Einverständnis, damit der Chef für Sie Kurzarbeit anmelden kann (Art. 31a/d, Art. 33 Abs. 1, Art. 34 Abs. 1 AVIG).

    Sie haben das Recht, Kurzarbeit zu verweigern und auf vollem Lohn zu bestehen. Sie riskieren damit aber, dass der Chef Ihnen aus finanziellen Gründen kündigt. Für viele Arbeitnehmende ist die durch Kurzarbeit entstehende Lohnlücke von 20 Prozent eine schmerzliche Belastung – die Gewerkschaft Unia setzt sich für vollen Lohnersatz ein.

  • Ich bin krankgeschrieben, mein Betrieb meldet Kurzarbeit an. Bekomme ich nun 100 Prozent meines Lohns (Krankschreibung) oder nur 80 Prozent (Kurzarbeit)?

    Solange Sie krank sind, erhalten Sie nicht nur Kurzarbeitsentschädigung. Sie haben den üblichen Anspruch auf Lohnfortzahlung während der Krankheit (Art. 324a OR) oder auf Krankentaggeld, sofern Ihr Arbeitgeber eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen hat. Was für Sie gilt, steht in Ihrem Arbeitsvertrag oder allenfalls auch im Gesamtarbeitsvertrag.

    Die Lohnfortzahlung gemäss Obligationenrecht dauert im ersten Dienstjahr 3 Wochen, danach richtet sich Ihr Anspruch nach einer Skala (zu erfragen beim Arbeitsgericht). Geschuldet sind bei voller Arbeitsunfähigkeit 100 Prozent des Lohns. Krankentaggeldversicherungen ihrerseits zahlen in der Regel 80 Prozent des Lohns bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit, dafür bis zu 720 Tage lang und nicht nur einige Wochen lang wie gemäss Obligationenrecht.

    Beachte: Kein Anspruch auf Lohnfortzahlung nach Obligationenrecht besteht im ersten Dienstjahr in unbefristeten Arbeitsverhältnissen während der ersten 3 Monate sowie in befristeten Arbeitsverhältnissen, die weniger als 3 Monate dauern.

  • Wo finde ich vertiefende Informationen zu Kurzarbeit?

    Weitere Informationen zu Arbeitsausfällen im Zusammenhang mit der Corona-Krise finden Sie auf den Seiten der Unia-Arbeitslosenkasse und des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco).

Lohnschuldung, Betreibung, Insolvenz, Konkurs

  • Mein Arbeitgeber hat den letzten Monatslohn nicht gezahlt. Was kann ich tun?

    Fordern Sie Ihren Arbeitgeber per Einschreiben schriftlich auf, Ihnen den Lohn innert kurzer Frist (3 bis 5 Tage) zu zahlen. Erfolgt auch danach keine Lohnzahlung, können Sie noch einmal eine kurze Zahlungsfrist setzen. Dabei können Sie drohen, ansonsten die Arbeit niederzulegen, wobei Ihr Chef verpflichtet wäre, den Lohn weiter zu zahlen. Zahlt er immer noch nicht, könnten Sie ihm sogar mit der fristlosen Kündigung drohen. Bevor Sie die Arbeit niederlegen oder fristlos kündigen, sollten Sie aber unbedingt erst Ihre Gewerkschaft kontaktieren und sich beraten lassen.

  • Mein Ex-Arbeitgeber schuldet mir zwei Monatslöhne und Überzeitguthaben. Soll ich ihn vor Gericht einklagen oder über das Betreibungsamt betreiben lassen?

    Steht belegbar fest, wieviel Ihnen geschuldet wird, genügt eine Betreibung. Muss erst noch festgestellt werden, um welchen Betrag es genau geht, muss eine Klage bei Gericht eingereicht werden. Zahlt ihr ehemaliger Arbeitgeber dann trotz Urteil nicht, kann gestützt auf das Urteil die Betreibung eingeleitet werden. Vor der Klage ans Gericht muss jedoch zuerst ein Gesuch um ein Schlichtungsverfahren eingereicht werden; erkundigen Sie sich bei einem Gericht am Wohnort oder Sitz des Arbeitgebers oder an Ihrem Arbeitsort nach dem Verfahren und der zuständigen Schlichtungsbehörde.

  • Wie muss ich eigentlich vorgehen, wenn ich meinen Arbeitgeber betreiben will?

    Als erstes muss beim zuständigen Betreibungsamt ein Betreibungsbegehren gestellt werden. Zuständig ist das Amt am Wohnort oder am Firmensitz des Schuldners, also des Arbeitgebers. Das Betreibungsbegehren kann aber auch online ausgefüllt werden. Weitere Informationen zum Betreibungsverfahren finden Sie hier: https://www.ch.ch/de/betreibungsverfahren.

  • Der Chef entlässt uns, er gehe in Konkurs, schuldet aber noch Lohn. Was tun?

    Fordern Sie den Lohn schriftlich und eingeschrieben beim Arbeitgeber ein und melden Sie sich sofort beim RAV für den Bezug von Arbeitslosengeld an. Sobald der Konkurs über Ihren Arbeitgeber eröffnet ist, melden Sie Ihre Lohnforderung beim Konkursamt an. Das Konkursamt veröffentlicht den Konkurs im Amtsblatt, danach haben Sie 30 Tage Zeit, Ihre Forderung einzugeben; am besten verwenden Sie für die Eingabe das Formular des Konkursamtes. Verspätete Forderungseigabe ist möglich, kann aber Kosten nach sich ziehen. Ausserdem müssen Sie innerhalb von 60 Tagen, nachdem der Konkurs eröffnet wurde, bei der öffentlichen kantonalen Arbeitslosenkasse am Sitz des Arbeitgebers ein Gesuch um Insolvenzentschädigung einreichen.

    Achtung: Sollte Ihr Arbeitgeber den Konkurs dann doch nicht anmelden, müssen Sie spätestens nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses sofort die Betreibung einleiten. Sie müssen das Betreibungsverfahren zügig weiterführen, bis und mit dem Gesuch um Konkurseröffnung. Nicht verlangt wird, dass Sie den Kostenvorschuss für die Durchführung des Konkurses zahlen. Nun können Sie bei der öffentlichen kantonalen Arbeitslosenkasse am Sitz des Arbeitgebers Insolvenzentschädigung beantragen. Im Übrigen wird empfohlen, die Gewerkschaft zu kontaktieren und sich beraten lassen.

  • Was ist eine Insolvenzentschädigung? Und wie mache ich Anspruch geltend?

    Die Insolvenzentschädigung (IE) ist ein Lohnersatz für Arbeitnehmende, deren Arbeitgeber zahlungsunfähig geworden ist. Ersetzt werden maximal die letzten vier offenen Monatslöhne. Gedeckt sind grundsätzlich 100 Prozent des Lohns, allerdings nur bis zum Höchstbetrag von CHF 12 350 pro Monat. IE gibt es auch für geschuldete Zulagen (z.B. Schicht- oder Baustellenzulagen, nicht aber Familienzulagen). IE wird prinzipiell nur für Zeiten, während denen gearbeitet wurde, bezahlt. Wurden Sie vom Arbeitgeber freigestellt, müssen Sie sofort Antrag auf Arbeitslosenentschädigung stellen.

    Voraussetzung für Insolvenzentschädigung ist, dass beim Arbeitgeber eines der folgenden Insolvenzereignisse eingetreten ist:

    • über den Arbeitgeber wird der Konkurs eröffnet
    • der Konkurs wird vom Konkursgericht nur deswegen nicht eröffnet wird, weil sich infolge offensichtlicher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger (z.B. Arbeitnehmer) bereit findet, die Kosten für das Konkursverfahren vorzuschiessen. Massgebend für die 60-tägige Frist für die Geltendmachung der Insolvenzentschädigung ist der Zeitpunkt, an dem die Frist zur Zahlung des Kostenvorschusses verstrichen ist (BGE 134 V 88).
    • der Arbeitnehmer für Lohnforderungen das Pfändungsbegehren gestellt hat
    • die provisorische oder definitive Nachlassstundung bewilligt wurde
    • ein richterlicher Konkursaufschub vorliegt

    Um IE zu erhalten, machen Sie Ihre Lohnforderung zuerst beim Arbeitgeber schriftlich und eingeschrieben geltend. Danach müssen Sie ihren Arbeitgeber betreiben, mindestens bis und mit Gesuch um Eröffnung des Konkurses. Wurde über den Arbeitgeber bereits der Konkurs eröffnet, können Sie die Lohnforderung beim Konkursamt eingeben. Das Gesuch um Insolvenzentschädigung muss innerhalb von 60 Tagen nach Eintreten eines der oben genannten Insolvenzereignisses  bei der öffentlichen Arbeitslosenkasse des Kantons am Sitz Ihres Arbeitgebers eingereicht werden. Beachten Sie die Schadenminderungspflicht: Während des Arbeitsverhältnisses muss der Arbeitgeber schriftlich auffordert werden, den Lohn sofort zu zahlen, nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses muss unverzüglich betrieben und eventuell geklagt werden. Ersuchen Sie im Übrigen persönlich und möglichst frühzeitig beim RAV um Arbeitslosenunterstützung. Weitere Informationen zum Vorgehen finden Sie unter:

    https://www.arbeit.swiss/secoalv/de/home/service/publikationen/broschueren.html.

Arbeitslosigkeit – Pflichten gegenüber ALK und RAV

  • Mein Arbeitgeber hat Kurzarbeit angemeldet – und mir trotzdem gekündigt. Darf er das? Erhalte ich jetzt nur 80 Prozent des Lohns während der Kündigungsfrist?

    Ja, er darf das – denn leider ist es nicht verboten, zu kündigen, auch wenn Kurzarbeit angemeldet wurde. Aber der Arbeitgeber darf für Sie keine Kurzarbeitsentschädigung mehr verlangen, und er schuldet Ihnen während der Kündigungsfrist den vollen Lohn.

  • Ich gehöre zur Risikogruppe, der Chef will mir kündigen. Gelten die Sperrfristen?

    Bei Krankheit oder Unfall darf der Arbeitgeber während einer gewissen Dauer, der so genannten Sperrfrist, nicht kündigen. Wurde die Kündigung schon vor der Krankheit oder dem Unfall ausgesprochen, verlängert sich die Kündigungsfrist (Art. 336c OR).

    Ob der Arbeitgeber diese Sperrfristen bei Angehörigen von Risikogruppen ebenfalls einhalten muss, ist umstritten. Die Gewerkschaft Unia ist der Ansicht, dass die Sperrfristen während der Corona-Krise auch für besonders gefährdete Arbeitnehmende gelten. Denn wie bei einer nicht verschuldeten Arbeitsunfähigkeit als Folge von Krankheit oder Unfall müssen auch diese in den Genuss des zeitlichen Kündigungsschutzes kommen (Art. 336c Abs. 1 lit. b OR).

  • Ich habe eine neue Stelle, jetzt will der Chef noch vor Arbeitsantritt kündigen.

    Sobald der Arbeitsvertrag von beiden Parteien angenommen ist – schriftlich oder auch mündlich -, gilt er und muss eingehalten werden. Will Ihr neuer Chef kündigen, noch bevor Sie die Stelle antreten, kann er das. Er muss aber die Kündigungsfrist einhalten, und während dieser Frist schuldet er Ihnen 100 Prozent des Lohns. Es gelten die Kündigungsfristen gemäss Obligationenrecht, sofern kein GAV anwendbar ist oder keine abweichenden vertraglichen Kündigungsfristen vereinbart wurden.

Befristet und temporär Angestellte, Arbeit auf Abruf

  • Ich bin befristet im Stundenlohn angestellt. Gibt es ohne Aufträge noch Lohn?

    Grundsätzlich ja, der Arbeitgeber schuldet Ihnen den Lohn, auch wenn er Ihre Leistung nicht abruft, und zwar egal ob Sie festangestellt oder befristet im Stundenlohn arbeiten. Bedingung ist einzig, dass Sie vertraglich festgelegte Arbeitszeiten haben und nicht nach Gutdünken des Chefs stundenweise auf Abruf arbeiten. Ein Vertrag kann übrigens auch mündlich und sogar stillschweigend durch entsprechendes Verhalten geschlossen werden. (vgl. Arbeit auf Abruf, siehe unten)

    Sind Ihre Arbeitzeiten so geregelt, ist Ihr Lohn entsprechend geschuldet – auch im Falle einer Betriebsschliessung. Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung besteht seit 1. September 2020 nicht mehr.

  • Ich bin temporär angestellt, mein Einsatzbetrieb schliesst. Bekomme ich Lohn?

    Ja, aber nicht vom Einsatzbetrieb, sondern vom Temporärbüro, das Sie unter Vertrag genommen hat. Dieses, nicht der Einsatzbetrieb, muss dann gegebenenfalls auch die Kündigung aussprechen. Dabei gelten bei unbefristeten Einsätzen Kündigungsfristen von 2 Tagen (erste 3 Monate) bis 1 Monat (ab dem 7. Monat). Bei befristeten Einsätzen gilt der Einsatzvertrag bis zum Datum der Befristung – bis dann besteht Lohnanspruch.

  • Ich arbeitete auf Abruf, unregelmässig, kurzfristig aufgeboten. Was erhalte ich?

    Wenn Sie sehr unregelmässig gearbeitet haben und es Ihnen wie dem Chef jeweils völlig freistand, ob Sie einen Einsatz ausführen oder nicht - dann haben Sie keinen Anspruch auf Lohn, wenn nun Ihre Arbeit nicht mehr abgerufen wird.

    Wenn Sie hingegen während längerer Zeit in einem relativ konstanten Arbeitspensum gestanden haben und Ihnen nun keine Arbeit mehr zugewiesen wird, dann haben Sie Anspruch auf Lohn. Denn Sie durften darauf vertrauen, dass Sie auch weiterhin so arbeiten können. Der Arbeitgeber muss Ihnen kündigen, wenn er den Lohnanspruch beenden will – aber auch während der Kündigungsfrist haben Sie noch Lohnanspruch.

    Wenn Ihr Arbeitgeber einseitig bestimmen kann, wann Sie arbeiten müssen, haben Sie Anspruch auf den durchschnittlichen Lohn, wenn der Arbeitgeber Sie abrupt nicht mehr zur Arbeit aufruft. Zudem haben Sie während der Kündigungsfrist Anspruch auf den durchschnittlichen bisherigen Lohn. Als durchschnittlicher Lohn gilt der Lohn der letzten 12 Monaten, eventuell einer kürzeren Dauer, wenn das Arbeitsverhältnis weniger lange dauerte.

  • Habe ich bei Arbeit auf Abruf Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

    Die vorübergehende Gewährung von Kurzarbeitsentschädigung für alle auf Abruf Angestellten aufgrund der Corona-Epidemie gilt ab 1. September 2020 nicht mehr.

  • Habe ich bei Arbeit auf Abruf Anspruch auf Arbeitslosenhilfe?

    Ja, wenn der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag kündigt.

    Auch wenn ihr Arbeitsverhältnis nicht gekündigt wurde, besteht unter Umständen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn Ihre Leistung vom Chef nicht mehr abgerufen wird. Voraussetzung ist, dass das Arbeitsverhältnis mindestens 6 Monate gedauert hat und Sie regelmässig zur Arbeit aufgeboten wurden. Die monatlichen Abweichungen dürfen nicht mehr als 10% bzw. 20% betragen, je nach Länge des Arbeitsverhältnisses. Melden Sie sich in jedem Fall bei der RAV an.

Überzeit und Ferien – was gilt in Zeiten von Corona?

  • Mein Betrieb verlangt, dass wir nun Überstunden kompensieren – geht das?

    Grundsätzlich sind Sie nicht verpflichtet, Überstunden durch Freizeit abzubauen, und sowieso braucht der Chef dafür Ihre Zustimmung. Dies sofern nicht arbeitsvertraglich oder gesamtarbeitsvertraglich abgemacht wurde, dass der Arbeitgeber die Kompensation einseitig anordnen kann.

    Allerdings sind Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer ausnahmsweise verpflichtet, bei der Überstundenkompensation mitzuwirken, wenn übergeordnete Interessen des Betriebes dies erfordern. Muss wegen der Corona-Krise Ihr Betrieb schliessen oder die Arbeit reduzieren, dürfte dies der Fall sein, und in de Regel ist die Überstundenkompensation wohl zumutbar. (Art. 321 OR)

    Seit dem 1.9.2020 müssen Überstunden gemäss Bundesratsbeschluss wieder kompensiert werden, bevor Kurzarbeit angemeldet werden kann.

  • Muss ich den Chef informieren, wenn ich in einem Risikogebiet war oder Kontakt zu Infizierten hatte?

    Ja. Sie sind verpflichtet, den Arbeitgeber zu informieren, damit dieser die notwendigen Schutzmassnahmen treffen kann. (Art. 321a OR, Treuepflicht)

  • Kann man mich nach der Rückkehr aus den Ferien nach Hause schicken, weil ich mich nach Ansicht meiner vorgesetzten Stelle in einem Risikogebiet aufgehalten haben soll?

    Ja, Sie dürfen nach Hause geschickt werden, haben jedoch Anspruch auf Lohnzahlung. Es sei denn, dass zum Zeitpunkt Ihrer Reise für das fragliche Gebiet eine behördliche Reisewarnung vorlag. Dann verlieren Sie den Anspruch auf Lohnfortzahlung, weil Ihre allfällige Arbeitsunfähigkeit als selbstverschuldet gilt.

    Seit 6.7.2020 gilt: Wer in ein vom Bundesrat bezeichnetes Risikogebiet einreist und sich dort vorher während 14 Tagen aufgehalten hat, muss sich nach der Rückkehr in die Schweiz in Quarantäne begeben. In dieser Konstellation besteht kein Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz. Das BAG führt eine entsprechende Liste über die Risikoländer, die regelmässig angepasst wird.

  • Viele Kollegen sind krank, der Chef verlangt vom Rest Überstunden. Darf er das?

    Sind Überstunden betrieblich nötig, sind Sie dazu verpflichtet, diese zu leisten, soweit Sie dies können und es zumutbar ist. Dringende familiäre Verpflichtungen zum Beispiel können Überstunden unzumutbar machen. Der Arbeitgeber muss sich jedoch auch im Fall der Corona-Krise an das Arbeitsgesetz halten (Höchstarbeitszeiten, Ruhezeiten).

  • Mein Arbeitgeber möchte Zwangsferien anordnen. Darf er das?

    Grundsätzlich bestimmt der Arbeitgeber den Zeitpunkt der Ferien. Aber er muss dabei die Wünsche der Arbeitnehmer möglichst berücksichtigen. Meist wird der Ferienbezug einvernehmlich geregelt, bei Uneinigkeit jedoch kann der Chef den Ferienbezug einseitig bestimmen, wenn auch unter Auflagen. So sollte etwa einseitig verordneter Ferienbezug in der Regel 3 Monate vorher angekündigt werden. (Art. 329c Abs. 2 OR)

    Was diese Frist betrifft, ist die Ansicht verbreitet, dass sie in der Corona-Krise kürzer sein darf – die Unia ist dagegen der Ansicht, dass es keinen Grund gibt, die übliche Regel aufzuweichen. Zudem muss in Zeiten der Pandemie der Erholungszweck der Ferien weiter gewährleistet sein. Keine Anordnung von Ferien ist daher möglich, wenn jemand unter behördlicher Quarantäne steht.

  • Ich habe bald Ferien, aber die Reise fällt aus, auch in der Schweiz ist die Lage nicht gut. Ich möchte die Ferien verschieben, aber der Chef lehnt ab. Darf er das?

    Ja, denn der Ferienzweck, die Erholung, ist trotzdem möglich. Sie haben daher leider keinen Anspruch darauf, die Ferien verschieben zu dürfen. Anders wäre es im Fall von Quarantäne, nötiger Selbstisolation oder wenn Sie erkranken: hier dürfen Ferien nicht angerechnet werden.

  • Darf ich während der Kurzarbeit Ferien beziehen?

    Ja, und für die Ferientage haben Sie erst noch Anspruch auf vollen Lohn, wie wenn keine Kurzarbeit bestehen würde.

  • Und wenn ich als Stundenlöhner in der Kurzarbeit Ferien nehme, gibt es Lohn?

    Wenn Sie auf dem normalen Stundenlohn jeweils zusätzlich eine Ferienentschädigung erhalten, dann bekommen Sie ja während der Ferien üblicherweise keinen Lohn. Dies gilt auch während der Kurzarbeit, und sie erhalten während der Ferien dann auch nicht Kurzarbeitsentschädigung. Denn der Lohn für die Ferien wurde Ihnen ja als Zuschlag zum Stundenlohn ausbezahlt. Bei 4 Ferienwochen beträgt der Zuschlag 8,33 Prozent.

  • Wenn ich in den Ferien in einem Risikogebiet festsitze, erhalte ich dann Lohn?

    Das kommt darauf an. Sitzen Sie an einem Ort fest, der behördlich unter Quarantäne steht, haben Sie Anspruch auf Lohnzahlung. Ohne Quarantäne aber haben Sie keinen Lohnanspruch – wenn Sie nicht rechtzeitig aus den Ferien heimkehren können, tragen Sie selbst das Risiko. Dies gilt etwa auch, wenn Ihre Fluggesellschaft bis auf Weiteres keine Rückflüge in die Schweiz mehr durchführt.

Arbeitsweg, ÖV, Geschäftsreisen, Grenzgänger

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