Coronavirus: Was Angestellte wissen müssen

Frau hält beim Husten Taschentuch vor den Mund

Aufgrund der aktuellen Situation und der Ausbreitung des neuen Coronavirus stellen sich auch in der Arbeitswelt rechtliche Fragen: Was gilt, wenn mein Kind krank ist? Darf der Arbeitgeber über eine Quarantäne verfügen? Erhalte ich weiter den vollen Lohn? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten.

Diese Fragen & Antworten in weiteren Sprachen:

Unia-Hotline Coronavirus

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Kein Lohn? Zu wenig Arbeitseinsätze?

Sagen Sie Ihrem Arbeitgeber, was Ihre Rechte sind! Die Unia stellt Ihnen hier Word-Briefvorlagen zur Verfügung, die Sie herunterladen und anpassen können.

Briefvorlagen

Aktualisierung: Die Fragen und Antworten werden laufend aktualisiert (gemäss den aktuellen Massnahmen und Entscheidungen der Behörden).

Bei Krankheit

  • Habe ich Anspruch auf Lohn, wenn man mich mit Fieber nach Hause schickt?

    Wenn Sie Fieber haben, sind Sie fraglos krank und können nach Hause gehen. Sie haben Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit (Art. 324a OR). Sie benötigen wie immer ein Arztzeugnis. Sie sollten beim Arzt telefonisch einen Termin vereinbaren. 

  • Ich habe Symptome der Coronavirus-Erkrankung, was soll ich tun?

    Rufen Sie Ihren Arzt an, er wird eine Diagnose stellen und Ihnen erklären, was zu tun ist. Auch wenn Sie nicht verpflichtet sind, Ihrem Arbeitgeber die Ursachen Ihrer Krankheit mitzuteilen, sollten Sie ihn informieren, wenn Sie mit dem Coronavirus infiziert sind, damit er die notwendigen Hygienemassnahmen vorkehren kann.

  • Ich bin krank zu Hause. Einen Arzttermin konnte ich bislang nicht vereinbaren, da mein Hausarzt überlastet ist. Auch nach vier Tagen konnte ich meinem Arbeitgeber noch kein Arztzeugnis einreichen. Was nun?

    Grundsätzlich darf der Arbeitgeber ein Arztzeugnis ab dem ersten Tag verlangen. Teilen sie Ihrem Arbeitgeber schriftlich mit, dass Sie aufgrund der besonderen Situation noch kein Arztzeugnis erhalten haben, dies aber so schnell wie möglich nachholen. Um eine Überlastung der Gesundheitseinrichtungen zu vermeiden, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG), dass bei der Einforderung eines Arztzeugnisses Kulanz gelten sollte. Es sollte frühestens ab dem 5. Tag eingefordert werden.

Vorbeugende Massnahmen

  • Ich gehöre der sogenannten Risikogruppe an (bestehende Vorerkrankung) und möchte lieber zu Hause bleiben, da ich Angst vor der Ansteckung habe. Muss mir der Arbeitgeber trotzdem den Lohn bezahlen?

    Als besonders gefährdete Personen gelten Personen ab 65 Jahren und Personen, die insbesondere folgende Erkrankungen aufweisen: Bluthochdruck, Diabetes, Herzkreislauf-erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen, Krebs (vgl. Art. 10b Corona – 2 Verordnung)

    Ihr Arbeitgeber muss Ihnen Home Office ermöglichen, wenn immer möglich. Ist dies aus betrieblichen Gründen nicht möglich, dürfen Sie trotzdem zuhause bleiben (vgl. Art. 10 c Corona – 2 Verordnung). Die Arbeitgeber haben dazu die geeigneten organisatorischen und technischen Massnahmen zu treffen, indem sie den Arbeitnehmern beispielsweise die dafür erforderliche IT-Ausstattung zur Verfügung stellen oder entsprechende Nutzungen privater Geräte vereinbaren, soweit diese für die betreffenden Zwecke geeignet und hinreichend sicher sind. Anfallende Kosten sind vom Arbeitgeber zu tragen.

    Bei Arbeitstätigkeiten, die aufgrund der Art der Arbeitstätigkeit oder mangels realisierbarer Massnahmen nur am üblichen Arbeitsort bzw. vor Ort erbracht werden können, hat der Arbeitgeber mit geeigneten organisatorischen und technischen Massnahmen die Einhaltung der Empfehlungen des BAG betreffend Hygiene (Hände waschen bzw. desinfizieren) und sozialer Distanz (2m Abstand) sicherzustellen. Auch können für besonders gefährdete Personen andere zumutbare Arbeitsbereiche oder -felder zugewiesen werden, etwa Arbeiten im Backoffice-Bereich.

    Konkret heisst das: Kann eine besonders gefährdete Person nicht zu Hause arbeiten und am üblichen Arbeitsort ist es nicht möglich, die notwendigen Schutzmassnahmen zu ergreifen, dann muss der Arbeitgeber die Person beurlauben und weiterhin den Lohn zahlen. Trifft dieser Fall auf Sie zu, müssen Sie dem Arbeitgeber eine schriftliche Erklärung vorlegen, in der Sie bestätigen, dass die Pandemie eine Gefahr für Ihre Gesundheit darstellt. Der Arbeitgeber kann jedoch ein ärztliches Attest verlangen, das bestätigt, dass Sie einer Risikogruppe angehören. Das ärztliche Attest muss aber keine Diagnose enthalten. Um eine Überlastung der Gesundheitseinrichtungen zu vermeiden, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG), flexibel zu sein. Das ärztliche Attest sollte nicht vor dem 5. Tag der Abwesenheit verlangt werden.

  • Meine Ehefrau gehört zu einer besonders gefährdeten Personengruppe. Sie leidet an einer chronischen Lungenkrankheit. Darf ich mich weigern, weiter zur Arbeit zu gehen? Wer zahlt meinen Lohn?

    Wann immer betrieblich möglich, muss Ihr Arbeitgeber Ihnen ermöglichen, zu Hause zu arbeiten. Ist dies betrieblich absolut nicht möglich, sollte er Ihnen erlauben, Überstunden bzw. Ferien zu beziehen oder unbezahlten Urlaub zu machen. Er sollte Ihnen zumindest genügend Zeit geben, eine Lösung zu finden, um Ihre Wohnsituation kurzfristig anzupassen. Können keine Überstunden oder Ferien bezogen werden, besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung.

  • Aus Angst, infiziert zu werden, gehe ich nicht zur Arbeit und bleibe zu Hause oder verlasse spontan meinen Arbeitsplatz. Was können die Folgen eines solchen persönlichen Entscheids sein?

    Sofern die Behörden keine Anweisungen erteilt oder Massnahmen eingeleitet haben, handelt es sich um eine unbegründete Arbeitsverweigerung. In einem solchen Fall besteht kein Anspruch auf Lohnzahlung und der Arbeitgeber kann Sie nach einer Verwarnung fristlos entlassen und sogar eine Entschädigung bis zu einem Viertel des Monatslohnes von Ihnen fordern.

    Sind Ihre Befürchtungen jedoch begründet, weil Ihr Arbeitgeber die behördlich verlangten Hygienemassnahmen nicht einhält (z.B. keine Möglichkeit zur Händedesinfektion, kein Abstand von 2m), haben Sie das Recht, die Arbeit zu verweigern und Ihr Arbeitgeber muss Ihnen weiterhin den Lohn zahlen.

    Machen Sie Ihren Arbeitgeber aber vorher – am besten schriftlich oder mit Zeug/innen – darauf aufmerksam. Setzen Sie dem Arbeitgeber eine kurze Frist, um den Missstand zu beseitigen. Erfolgt keine Reaktion, können Sie die Arbeit verweigern. Informieren Sie das kantonale Arbeitsinspektorat über den Missstand. Dieses kann Fehlverhalten behördlich sanktionieren.

  • Darf mein Arbeitgeber am Eingang zum Betrieb eine Temperaturkontrolle der Mitarbeitenden durchführen?

    Der Arbeitgeber ist verpflichtet, alle notwendigen Hygienemassnahmen zum Schutz der Gesundheit seiner Angestellten zu ergreifen, im Sinne der Verordnung 3 des Arbeitsgesetzes (ArGV3). Die von ihm getroffenen Massnahmen müssen jedoch immer verhältnismässig sein. Vor dem aktuellen Hintergrund ist es angemessen, die Temperatur am Betriebseingang zu messen und im Zweifelsfall jemanden zu bitten, zu Hause zu bleiben, der Fieber hat. Liegt eine Erkrankung vor, muss der Arbeitgeber– wie bei Krankheit üblich – den Lohn zahlen.

  • Darf mir mein Arbeitgeber wegen des Coronavirus für einen gewissen Zeitraum einen andern Arbeitsort oder eine andere Tätigkeit zuweisen?

    Schwerwiegende Störungen des Betriebsablaufs, wie sie beim Coronavirus auftreten können, sind Ausnahmesituationen, die es dem Arbeitgeber erlauben, von seinen Mitarbeitenden andere als die üblicherweise ausgeführten Arbeiten zu verlangen oder sogar den Ort der Arbeitsausführung zu verlegen.

    Dieses Weisungsrecht des Arbeitgebers ist aber begrenzt. Der neue Arbeitsort oder eine andere Tätigkeit muss zumutbar sein und darf die Persönlichkeit der Arbeitnehmenden nicht verletzten. Es ist immer eine Einzelfallbeurteilung nötig. Z.B. machen familiäre Pflichten einen weiter entfernt liegenden Arbeitsort eventuell unzumutbar und der neue Arbeitsort kann somit verweigert werden. In jedem Fall müssen die entstandenen zusätzlichen Kosten einer solchen Änderung durch den Arbeitgeber bezahlt werden (Art. 327a OR).

  • Mein Arbeitgeber verlangt, dass ich mir nach jedem Kundenkontakt die Hände wasche und desinfiziere. Auch verlangt er von mir, dass ich zu Hause die Hygienevorgaben des Bundes einhalten müsse. Ich finde das eine Zumutung, schliesslich weiss ich doch selbst am besten, was ich tun muss. Kann ich mich dem widersetzen?

    Der Arbeitgeber kann Anordnungen betreffend die Ausführung der Arbeit und das Verhalten der Arbeitnehmenden erlassen und ihnen auch besondere Weisungen erteilen (Art. 321d OR). Die Arbeitnehmenden müssen sich an die Weisungen des Arbeitgebers betreffend Hygienemassnahmen im Betrieb halten, ansonsten arbeitsrechtliche Sanktionen zu befürchten sind (Verwarnung, ordentliche/fristlose Kündigung oder gegebenenfalls Haftung).

    Weisungen, die den Bereich ausserhalb des Betriebes betreffen, müssen grundsätzlich nicht befolgt werden. Aufgrund Ihrer Treuepflicht (Art. 321a OR) sind Sie aber verpflichtet, den Arbeitgeber über eine allfällige Coronavirus-Erkrankung (im nahen Umfeld) oder Reisen in die Risikogebiete zu informieren.

  • Muss ich meinen Arbeitgeber informieren, wenn ich in eine Risikogebiet gefahren bin oder Kontakt zu Personen hatte, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben?

    Ja. Aufgrund Ihrer Treuepflicht (Art. 321a OR) sind Sie verpflichtet, den Arbeitgeber zu informieren, damit er die notwendigen Schutzmassnahmen treffen kann.

  • Mein Arbeitgeber verlangt von allen Mitarbeitenden inskünftig eine Grippeimpfung. Darf er das?

    Das Weisungsrecht des Arbeitgebers ist durch die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmenden begrenzt (Art. 28 ZGB). Eine Impfung könnte daher nicht zwangsweise durchgesetzt werden.

    Ob eine Impfung als Voraussetzung für die Erbringung der Arbeitsleistung verlangt werden darf, kommt auf die Art des Betriebes an. Auf einer Säuglingsintensivstation sind die Interessen anders gelagert als in der Speditionsbranche. Der Kontakt mit Kundinnen und Kunden oder Arbeitskolleginnen und -kollegen allein ist jedoch kein ausreichender Grund, von den Arbeitnehmenden zwingend eine Grippeimpfung zu verlangen.

    Aufgrund der Treuepflicht der Arbeitnehmenden (Art. 321a OR) darf aber verlangt werden, dass sie bei Coronavirus-Symptomen nicht zur Arbeit kommen.

Kinderbetreuung

  • Seit dem 16. März 2020 sind die Schulen geschlossen und ich kann die Kinder nicht allein zu Hause lassen. Zahlt mir der Arbeitgeber den Lohn?

    Bei behördlichen Massnahmen gegenüber der Bevölkerung und/oder bestimmten Personengruppen (kollektive Massnahmen), die zur Folge haben, dass ein Elternteil die Arbeitsleistung nicht erbringen kann, muss der  Arbeitgeber weiterhin den Lohn zahlen. Denn wenn das Kind nicht in die Schule oder die Krippe gehen kann, obwohl es nicht krank ist, erfüllt der Elternteil seine gesetzliche Pflicht, wenn es sich um das Kind kümmert und der Arbeit fernbleibt (Art. 276 ZGB). Der Arbeitnehmer muss jedoch das Nötige unternehmen, um rasch eine Fremdbetreuung zu organisieren. Solange dies nicht möglich ist, muss der Arbeitgeber den Lohn bezahlen (analog Krankheit des Arbeitnehmers).

    Sie haben während eines beschränkten Zeitraums Anspruch auf Lohn. Die Dauer dieses Zeitraums hängt von der in Ihrem Kanton geltenden Skala ab. Die Kantone wenden die Berner-, Basler- bzw. Zürcher-Skala an. Welche dieser Skalen in ihrem Kanton angewandt wird, erfahren sie bei jedem Arbeitsgericht.

    Hat der Arbeitgeber für die Mitarbeitenden eine kollektive Krankentaggeldversicherung abgeschlossen, stellt sich die Frage, ob diese auch für die Abwesenheit infolge Kinderbetreuung aufkommt. Die Betreuung der Kinder fällt grundsätzlich nicht unter die versicherten Ereignisse der Krankentaggeldversicherung. Das heisst, ohne anderslautende Regelung im Versicherungsvertrag und/oder den allgemeinen Versicherungsbedingen bleibt der Arbeitgeber lohnfortzahlungspflichtig gemäss einer der oben genannten Skalen.

    Der Arbeitgeber ist während einer begrenzten Dauer verpflichtet, den Lohn zu zahlen (siehe Antwort auf die nächste Frage).

  • Was mache ich, wenn mein Kind krank ist?

    Sie können gegen Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses bis zu drei Tage frei bekommen, damit Sie Ihr Kind betreuen können.

    Als weitere Familienpflichten gelten «die Erziehung von Kindern bis 15 Jahren sowie die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger oder nahestehender Personen». Die Eltern des Kindes müssen die Arbeit wieder aufnehmen, sobald die Betreuung organisiert ist.

    Wenn drei Tage nicht reichen, gilt das Obligationenrecht. Es ermöglicht den Eltern, für die nötige Zeit von der Arbeit fernzubleiben (Art. 324a OR). Solange die Fremdbetreuung nicht organisiert ist, muss der Arbeitgeber weiterhin den Lohn zahlen – wobei Sie im Sinne der Schadenminderungspflicht das Nötige unternehmen müssen, um rasch eine Fremdbetreuung zu organisieren.

    Entschädigungsanspruch aufgrund der vom Bundesrat am 20. März 2020 bekannt gegebenen Massnahmen für Eltern mit Kindern, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen:
    Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen, weil die Fremdbetreuung der Kinder nicht mehr gewährleistet ist, erhalten einen Anspruch auf Entschädigung. Näheres dazu unter auf der Website des BAG.

Quarantäne

  • Mein Arbeitgeber verfügt eine Quarantäne für alle Angestellten, die sich kürzlich in einem der Risikoländer aufgehalten haben. Ist das legal?

    Nein. Im Bereich des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung entscheiden die staatlichen Behörden, nicht Privatpersonen (wie z.B. die Arbeitgeber). Halten Sie sich an die Weisungen des Kantonsarztes, des Bundesamtes für Gesundheit und des Departements für auswärtige Angelegenheiten.

    Ihr Arbeitgeber kann Ihnen allerdings mitteilen, dass Sie für eine gewisse Zeit nicht mehr zur Arbeit erscheinen dürfen. Er muss Ihnen während dieser Zeit den Lohn zahlen.

  • Wenn ich in einem Risikogebiet festsitze (in das ich aus privaten Gründen hingefahren bin), erhalte ich dann Lohn oder nicht?

    Je nachdem. Ist der Ort, wo Sie sich befinden, von den Behörden unter Quarantäne gestellt worden, haben Sie Anspruch auf Lohnzahlung. Sitzen Sie jedoch ohne behördlichen Beschluss fest, haben Sie keinen Lohnanspruch und müssen selber das Risiko tragen, dass Sie nicht rechtzeitig aus den Ferien zurückkehren konnten. Zum Beispiel:  Die Fluggesellschaft, bei der Sie gebucht haben, hat von sich aus entschieden, bis auf weiteres keine Flüge mehr in die Schweiz durchzuführen.

Schliessung des Betriebs

  • Mein Betrieb ist wegen des Coronavirus geschlossen. Wird mir der Lohn ausbezahlt?

    Wenn der Betrieb von sich aus entschieden hat, seine Tore zu schliessen, ist der Arbeitgeber zur Weiterzahlung des Lohnes verpflichtet.

    Muss das Unternehmen aufgrund eines behördlichen Entscheids schliessen, besteht ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Lohnfortzahlung, da der Arbeitgeber das Betriebs- und Wirtschaftsrisiko trägt. Der Arbeitgeber kann jedoch auch bei einer Arbeitslosenkasse seiner Wahl Kurzarbeitsentschädigung geltend machen.

  • Ich bin auf Abruf im Stundenlohn angestellt. Effektiv arbeite ich seit einem Jahr jeweils 30 bis 40 Stunden pro Woche. Nun muss mein Betrieb aufgrund behördlicher Anordnung schliessen. Habe ich Anspruch auf Lohn?

    Da Sie seit längerem regelmässig gearbeitet haben, ist davon auszugehen, dass Sie inzwischen einen Anspruch auf eine durchschnittliche Anzahl Arbeitsstunden haben. Ist Ihr Arbeitgeber dazu nicht mehr in der Lage, gerät er in Annahmeverzug. Das heisst: Er schuldet Ihnen weiterhin den durchschnittlichen Lohn. Für die Berechnung ist der Durchschnitt des letzten Jahres oder – falls das Arbeitsverhältnis weniger lang war – einer kürzeren Periode. Arbeitgeber haben die Möglichkeit Kurzarbeitsentschädigung zu beantragen.

  • Ich arbeite an einem Take Away. Trotz Entscheid des Bundesrates muss ich weiterarbeiten?

    Gemäss BAG-Website sind Take Aways von den Schliessungen nicht umfasst. Somit darf der Betrieb ohne Sitz- bzw. Stehplätze weiterhin arbeiten. Der Arbeitgeber muss aber dafür sorgen, dass Hygienemassnahmen wie Hände waschen bzw. desinfizieren regelmässig möglich sind. Ebenso muss das Social Distancing garantiert werden, d.h. dass Sie sich an der Theke in einem genügenden Abstand aufhalten können und diesen auch zu den Kund/innen wahren können.

Ferien

  • Mein Arbeitgeber möchte Zwangsferien anordnen. Darf er das?

    Allgemein gilt: Gemäss Art. 329c Abs. 2 OR bestimmt grundsätzlich der Arbeitgeber den Zeitpunkt der Ferien. Dieser hat jedoch auf die Wünsche des Arbeitnehmers soweit möglich Rücksicht zu nehmen.

    In der Regel wird der Ferienbezug einvernehmlich geregelt. Bei Uneinigkeit hat der Arbeitgeber das Recht, den Ferienbezug einseitig zu bestimmen.

    Das Recht zur Bestimmung des Ferienzeitpunkts unterliegt jedoch etlichen Beschränkungen. Einerseits muss der einseitig verordnete Ferienbezug rechtzeitig mitgeteilt werden. Die angeordneten Ferien sollten unter normalen Umständen etwa drei Monate vorher angekündigt werden. Je nach Gesamtarbeitsvertrag können sich auch andere Fristen ergeben. Schliesslich muss gewährleistet sein, dass der Erholungszweck der Ferien trotz einer Pandemie gegeben ist.

    In Zeiten der Corona-Pandemie gilt:
    Kein Feriengenuss ist möglich, wenn Personen unter behördliche Quarantäne gestellt wurden. Ein Ferienbezug kann Ihnen gegenüber nicht angeordnet werden.

    Die Anordnung von Zwangsferien kann jedoch aufgrund eines dringlichen betrieblichen Bedürfnisses auch ohne die ansonsten übliche Vorankündigungsfrist von 3 Monaten zulässig sein. Für Arbeitnehmende aus Betrieben, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr genügend Arbeit haben, bedeutet dies, dass sie eine kurzfristige Ferienbezug akzeptieren müssen, wenn kein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung besteht. Zudem dürfen sie nicht dazu gezwungen werden, Ferien zu beziehen, die Ihren bisher erworbenen Ferienanspruch übersteigen.

  • Ich nehme meine Ferien trotz Corona-Pandemie. Mein Arbeitgeber will mir verbieten zu verreisen. Darf er das?

    Nein. Ferien sind Freizeit. Der Arbeitgeber hat kein Recht, sich in die Reisepläne seiner Mitarbeitenden während ihrer Freizeit zu mischen.

  • Kann mein Arbeitgeber mich nach den Ferien nach Hause schicken, weil ich mich seiner Ansicht nach in einem Risikogebiet aufgehalten habe?

    Er darf Sie nach Hause schicken, Sie haben jedoch Anspruch auf Lohnzahlung. Falls aber zum Zeitpunkt Ihrer Reise eine Reisewarnung bestand, haben Sie keinen Lohnanspruch, weil die Arbeitsunfähigkeit selbstverschuldet ist.

  • Ich befinde mich in den Ferien in den USA. Wegen dem Einreisverbot wurde mein Rückflug annulliert, so dass ich nicht rechtzeitig zur Arbeit zurückkehren kann. Habe ich trotz Verspätung Anspruch auf Lohn?

    Entscheidend ist stets die Frage, ob das entsprechende Ereignis in die Risikosphäre der arbeitgebenden oder der arbeitnehmenden Person fällt. Die Natur der Ursache und die Umstände entscheiden darüber, ob ein Anspruch auf Lohn oder Lohnfortzahlung entsteht oder gar kein Anspruch besteht.

    Der Umstand, dass die Fluggesellschaften viele Flüge annulliert haben und eine rechtzeitige Rückkehr verhindern, sind Gründe, die nicht in die Risikosphäre des Arbeitgebers fallen. In diesem Fall besteht kein Lohnanspruch. 

Geschäftsreisen

  • Darf mein Arbeitgeber mich zwingen, eine Geschäftsreise in ein Risikogebiet zu unternehmen? Darf ich mich weigern?

    Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag steht, dass Sie geschäftlich reisen müssen und Ihr Arbeitgeber Sie dazu auffordert, müssen Sie die Anordnungen des Arbeitgebers grundsätzlich befolgen, solange die Behörden keine Reisebeschränkungen erlassen haben. Wenn eine Reisewarnung des zuständigen Schweizer Bundesamtes resp. des Amtes am Zielort vorliegt, kann ein Arbeitnehmer die Dienstreise unter Berufung auf die Reisewarnung verweigern.

    Wenn Sie gesundheitliche Probleme haben, die sich in einem Risikogebiet verschlimmern könnten darf Sie der Arbeitgeber nicht in ein Risikogebiet auf Geschäftsreise schicken, denn er ist nach Art. 328 OR zum Schutz der Persönlichkeit seiner Arbeitnehmenden verpflichtet.

Anfahrt zum Arbeitsort

  • Sollte aufgrund der Pandemie in Zukunft die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr möglich sein, kann ich nicht mehr zur Arbeit fahren. Riskiere ich dann, entlassen oder benachteiligt zu werden?

    Nein, der Arbeitgeber darf den Arbeitsvertrag aus einem solchen Grund nicht kündigen.

    Wenn Sie jedoch die Arbeitsleistung nicht erbringen können, weil Sie wegen einer Störung des öffentlichen Verkehrs nicht zur Arbeit fahren können, muss der Arbeitgeber den Lohn für die ausgefallene Arbeitszeit nicht zahlen.

    Wenn Sie die Arbeit von zu Hause aus verrichten können, ist der Arbeitgeber lohnzahlungspflichtig.

    Der Bundesrat hat am 20. März 2020 bekannt gegeben, dass künftig auch für befristet Angestellte und temporär Angestellte (Arbeitnehmende von Personalverleihfirmen) Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht werden kann.

  • Ich bin Grenzgänger und die Grenzen wurden geschlossen. Ich kann nicht mehr zum Arbeitsort fahren. Habe ich Anspruch auf meinen Lohn?

    Ja, denn es handelt sich um einen Beschluss der Behörden.

Überstunden

  • Wir haben im Betrieb mehrere gesundheitsbedingte Ausfälle. Mein Arbeitgeber verlangt nun vom Rest der Belegschaft mehr Stunden zu leisten, als vertraglich vereinbart wurden. Darf er das?

    Sind Überstunden betrieblich notwendig, so ist der Arbeitnehmer dazu verpflichtet diese zu leisten, soweit er sie zu leisten vermag und sie ihm zugemutet werden können. Dringende Familiäre Verpflichtungen machen Überstunden zum Beispiel unzumutbar. Der Arbeitgeber muss sich jedoch auch im Pandemiefall an die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes halten (Höchstarbeitszeiten, Ruhezeiten).

    Denkbar wäre auch eine Feriensperre, falls überwiegende, ausserordentliche und unvorhersehbare betriebliche Interessen vorliegen. Entsteht dem Arbeitnehmer durch die Verschiebung jedoch ein Schaden, so ist der Arbeitgeber schadenersatzpflichtig.

  • Der Arbeitgeber verlangt, dass wir im Pandemiefall Überstunden kompensieren. Geht das?

    Grundsätzlich kann der Arbeitgeber Sie nicht verpflichten, geleistete Überstunden durch Freizeit zu kompensieren. Und für eine Kompensation wird die Zustimmung beider Vertragsparteien – also des Arbeitgebers und Ihnen – vorausgesetzt.

    Aus Art. 321 OR ergibt sich aber die Pflicht des Arbeitnehmers bei der Kompensation von Überstunden mitzuwirken, d.h. einer Kompensation zuzustimmen, wenn überwiegende Interessen der Arbeitgeberin dies erfordern und keine gewichtigen Interessen des Arbeitnehmers dagegensprechen. In aller Regel wird es dem Arbeitnehmer zumutbar sein, Überstunden zu kompensieren, wenn nun der Betrieb wegen der Pandemie schliesst oder die Arbeit reduzieren muss.

    Am 20. März 2020 hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass die Voraussetzungen für die Kurzarbeitsentschädigung gelockert werden. Überstunden müssen nicht mehr kompensiert werden, bevor Kurzarbeitsentschädigung beantragt werden kann. Können Arbeitgeber Kurzarbeitsentschädigung beantragen, müssen Arbeitnehmende der Kompensation von Überstunden nicht mehr zustimmen und die Arbeitgeber können darauf auch nicht bestehen.

Ausfallstunden und Kurzarbeit

  • Wann kann der Arbeitgeber bei der Arbeitslosenkasse Kurzarbeitsentschädigung (KAE) geltend machen?

    Bei der Entschädigung von Arbeitsausfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus muss man unterscheiden, ob der Arbeitsausfall auf eine behördliche Massnahme oder auf Nachfragerückgänge infolge von Infizierungsängsten (wirtschaftliche Gründe) zurückzuführen ist.

    a) Behördliche Massnahmen
    Mit KAE werden Arbeitsausfälle entschädigt, die auf behördliche Massnahmen (z. B. Betriebsschliessungen, Abriegelung von Städten, Grenzschliessung) oder andere nicht vom Arbeitgeber zu vertretenden Umständen zurückzuführen sind. Dies unter der Voraussetzung, dass die betroffenen Arbeitgeber die Arbeitsausfälle nicht durch geeignete, wirtschaftlich tragbare Massnahmen vermeiden oder keinen Dritten für den Schaden haftbar machen können.

    b) Wirtschaftliche Gründe
    Mit KAE können Arbeitsausfälle entschädigt werden, die auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar sind. Wirtschaftliche Gründe umfassen sowohl konjunkturelle als auch strukturelle Gründe, welche einen Nachfrage- bzw. Umsatzrückgang zur Folge haben.

    Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass der Grund für den Arbeitsausfall auf die Situation wegen des Coronavirus zurückzuführen ist. Des Weiteren müssen sämtliche übrigen Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitsentschädigung erfüllt sein.

    Am 20. März 2020 hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass die Voraussetzungen für die KAE gelockert werden.

    Neu kann KAE geltend gemacht werden für:

    • Lernende
    • Arbeitnehmende in befristeten Arbeitsverhältnissen
    • Arbeitnehmende die temporär angestellt sind (Arbeitnehmende von Personalverleihfirmen)
    • Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung (z.B. Gesellschafter einer GmbH, die als Angestellte gegen Entlohnung im Betrieb arbeiten und Personen, die im Betrieb des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners mitarbeiten). Diese Personen sollen eine Pauschale von 3‘320.- Franken als Kurzarbeitsentschädigung für eine Vollzeitstelle geltend machen können.

    Die Karenztage (Wartetage) werden abgeschafft, d.h. die Arbeitgeber erhalten ab dem ersten Tag KAE.

    Die Überstunden müssen nicht mehr kompensiert werden, bevor Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht werden kann.

  • Ich bin Inhaber einer GmbH und bei dieser gleichzeitig auch Arbeitnehmer. Habe ich Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

    Ja. Der Bundesrat hat als Massnahme gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie am 20. März 2020 bekannt gegeben, dass künftig auch Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung das Recht auf Kurzarbeitsentschädigung haben (z.B. Gesellschafter einer GmbH, welche als Angestellte gegen Entlohnung im Betrieb arbeiten und Personen, die im Betrieb des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners mitarbeiten). Diese Personen sollen eine Pauschale von 3‘320.- Franken als Kurzarbeitsentschädigung für eine Vollzeitstelle geltend machen können. Als bei der GmbH angestellter Inhaber der GmbH haben Sie somit Anspruch auf KAE.

  • Ich habe einen befristeten Arbeitsvertrag und bin im Stundelohn angestellt. Habe ich Anspruch auf Lohn, wenn der Arbeitgeber meine Arbeit mangels Aufträge nicht beansprucht?

    Der Arbeitgeber schuldet dem Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin den Lohn, auch wenn er die Leistung der/ Arbeitnehmenden nicht abruft. Egal ob es sich um eine Festanstellung oder eine befristete Anstellung im Stundenlohn handelt.

    Voraussetzung ist einzig, dass die Einsätze (Tage/Stunden) des Stundenlöhners festgelegt sind (und nicht nach Gutdünken des Arbeitgebers auf Abruf erfolgen können). Sieht der befristete Einsatzvertrag zum Beispiel vor, dass der Arbeitnehmer am Montag, Mittwoch und Freitag bis Ende Mai arbeiten sollte, so ist der Lohn entsprechend geschuldet, auch im Falle einer Betriebsschliessung!

    Der Bundesrat hat am 20. März 2020 bekannt gegeben, dass künftig auch für Personen, die in befristeten Arbeitsverhältnissen oder temporär angestellt sind Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht werden kann.

  • Mein Arbeitgeber muss den Betrieb auf behördliche Anordnung hin schliessen. Er macht nun Kurzarbeitsentschädigung geltend. Bei uns arbeiten aber auch Personen, die temporär oder befristet angestellt sind. Ich habe gehört, diese erhalten gar keine Kurzarbeitsentschädigung? Wer zahlt ihren Lohn?

    Der Bundesrat hat am 20. März 2020 bekannt gegeben, dass künftig auch für befristet Angestellte und temporär Angestellte (Arbeitnehmende von Personalverleihfirmen) Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht werden kann.

  • Laut Seco haben Lernende keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Heisst das, dass ein Betrieb die Lehrlingslohnzahlung ohne Ersatz stoppen darf?

    Der Bundesrat hat am 20. März 2020 bekannt gegeben, dass künftig auch für Lernende Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht werden kann.

  • Muss der Arbeitgeber mich im Vorfeld über Kurzarbeit informieren bzw. mein Einverständnis haben? Oder könnte ich darauf bestehen, dass weiterhin mein voller Lohn ausgezahlt wird?

    Bei der Einführung der Kurzarbeit handelt es sich um eine Reduktion des Lohnes auf 80% des bisherigen Gehalts (Art. 31 Abs. a Abs. d AVIG). Deshalb braucht es zwingend das Einverständnis jedes/r einzelnen Arbeitnehmenden. Ein/e Arbeitnehmende/r hat das Recht, weiterhin auf das volle vertraglich vereinbarte Salär zu bestehen. Er geht dabei aber das Risiko ein, den Job zu verlieren, wenn der Arbeitgeber aus finanziellen Gründen kündigen muss. Weil die Lohnlücke von 20% für einige Arbeitnehmende ein Problem darstellt, braucht es bei Kurzarbeit einen vollständigen Lohnersatz. Dafür setzt sich die Unia ein.

  • Weitere Informationen

    Fragen & Antworten zu Arbeitsausfällen und Kurzarbeit in Zusammenhang mit dem Coronavirus finden Sie auf der Seite der Unia-Arbeitslosenkasse

    Das SECO veröffentlicht aktuelle Informationen zu Arbeitsausfällen infolge des Coronavirus  auf ihrer Website. Hier finden Sie auch weiter FAQ zu Kurzarbeit infolge Coronavirus.

     

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