Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein Muss

Bei der Gleichstellung hat die Schweiz Nachholbedarf. Frauen ziehen finanziell den Kürzeren, die Gründe sind vielfältig: Sie arbeiten öfters in Tieflohn-Branchen und viele sind unfreiwillig Teilzeit tätig. Sind Sie von Lohndiskriminierung betroffen? Wehren Sie sich gemeinsam mit der Unia.

Der Mann, der Ernährer. Die Frau, die Mutter und Hausfrau. Es ist ein veraltetes Rollenbild, das nicht zu einer modernen Schweiz passt, aber dennoch vorherrscht. Für Frauen ziehen sich die Nachteile und Diskriminierungen wie ein Rattenschwanz durch das Berufsleben. Dies, weil viele von ihnen in Tieflohn-Branchen arbeiten und aus familiären Gründen oder unfreiwillig Teilzeit arbeiten. Und obwohl der Gleichstellungsartikel gesetzlich verankert ist, verdienen Frauen heute noch für gleichwertige Arbeit etwa 20 Prozent weniger als Männer.

Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung

«Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit» (Art. 8, Schweizer Bundesverfassung). Seit 1981 ist der Gleichstellungsartikel gesetzlich verankert. Am 1. Januar 1996 trat das Gleichstellungsgesetz in Kraft. Es soll die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Erwerbsleben realisieren. Niemand darf aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität diskriminiert werden und es ist gesetzlich verboten, Frauen anders zu entlöhnen als Männer. Die Realität sieht anders aus.

Mehr Frauen in Tieflohn-Branchen

Die Arbeit von Frauen wird unterbewertet und schlecht bezahlt. Gerade in Tieflohn-Branchen wie in der Reinigung, im Gastgewerbe oder im Detailhandel arbeiten mehrheitlich Frauen. Zudem werden ausserberufliche Erfahrungen und Kenntnisse aus Betreuungsaufgaben sowie ehrenamtliche Tätigkeiten bei der Lohneinstufung selten anerkannt. Das wirkt sich zu Ungunsten der Frauen aus, da sie einen grossen Teil der Familienarbeit übernehmen.

Teilzeitarbeit ist weiblich

6 von 10 Frauen arbeiten Teilzeit. Bei den Männern sind es nur 1,8 von 10. Wer Teilzeit arbeitet, hat schlechtere soziale Absicherungen, zum Beispiel in der Altersvorsorge durch Pensionskasse und AHV, und auch geringere Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen.

Für Familien und Frauen mit Kindern ist Teilzeitarbeit aber oft der einzige Weg, den Beruf und die Kinderbetreuung zu vereinbaren. Tatsache ist aber auch, dass viele Frauen mehr arbeiten möchten. Bei den Männern gibt es auch viele, die zu Gunsten der Familie Teilzeit arbeiten würden. Viele beissen aber bei ihren Arbeitgebern auf Granit, wenn es um das Reduzieren des Arbeitspensums geht. Da läuft also etwas schief.

Lohndiskriminierung: Im privaten Sektor sind über 40 Prozent nicht erklärbar

Die Unternehmen in der Schweiz schulden den Frauen rund 10 Milliarden Franken im Jahr, weil sie ihnen für die gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn bezahlen wie ihren Kollegen. Frauen verdienen rund 20 Prozent oder im Schnitt 657 Franken pro Monat weniger als Männer. Nur weil sie Frauen sind. In der folgenden Statistik sind die Durchschnittslöhne und Lohnunterschiede im Jahr 2016 im privaten und öffentlichen Sektor ersichtlich. Fakt ist, von Lohngleichheit sind wir immer noch weit entfernt.

Lohndiskriminierung – das können Sie tun

Haben Sie den Verdacht, dass sie für gleichwertige Arbeit weniger verdienen als Ihre männlichen Kollegen? Handeln Sie. Die Unia hilft Ihnen dabei.

  • Bereiten Sie sich gut vor und suchen Sie erst dann das Gespräch mit Ihrer vorgesetzten Person oder den Personalverantwortlichen. Ihre Gewerkschaft unterstützt Sie dabei. Lassen Sie sich beraten.
  • Sammeln Sie Unterlagen, um Ihren Verdacht zu untermauern. Informieren Sie sich über die Regelungen zu Löhnen und Lohnsystemen in Ihrem Betrieb.
  • Wenden Sie sich an Ihre Betriebskommission. Gemeinsam können Sie durchsetzen, dass der Arbeitgeber das Lohnsystem offenlegt oder eine Lohnanalyse durchführt. Der Bund stellt den Unternehmen mit «Logib» einen gratis Lohngleichheits-Test zur Verfügung. Ab 1. Juli 2020 sind Lohnanalysen für Betriebe ab 100 Mitarbeitenden Pflicht.
  • In der Schweiz ist es immer noch ein Tabu, über den Lohn zu reden. Ändern Sie das und sprechen Sie darüber. So tragen Sie dazu bei, Löhne transparenter zu machen.