Die Forderungen der Pflegenden und der Unia

Pflegerin mit einer Patientin

Wie weiter nach Applaus und Danksagungen? In Tat und Wahrheit haben viele Probleme in der Langzeitpflege schon vor der Corona-Pandemie bestanden. Die aktuelle Situation hat sie nur verdeutlicht. Die Pflegenden bleiben dabei: Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen.

Die Pflegenden fordern während der Corona-Pandemie das Gleiche wie vorher. Das zeigt ein Blick auf die meistgenannten Themen in einer aktuellen Online-Umfrage der Unia in der Deutschschweiz zu Pflege und Corona, die noch bis Ende Mai läuft (bisher rund 300 Teilnehmende). Sie fordern:

  1. Mehr Lohn
  2. Mehr Personal
  3. Arbeitszeitreduktion und die Einhaltung von gesetzlichen Arbeits- und Ruhezeiten
  4. Eine fairere Dienstplanung und mehr Freizeit

Diese Anliegen müssen ernst genommen werden, denn die Krise zeigt: das System ist definitiv an seine Grenzen gestossen.

Abwärtsspirale aufhalten – gute Pflege sicherstellen

Die Corona-Pandemie in der Schweiz und im europäischen Umland hat gezeigt, wie vulnerabel Bewohner/innen von Alters- und Pflegeheimen sind. Jüngsten Schätzungen zufolge lebte rund die Hälfte der an COVID-19 Verstorbenen in Pflegeheimen – die WHO sprach am 23. April von einer «unvorstellbaren humanitären Tragödie» (Hans Henri Kluge, Director WHO Europe).

Auch in der Schweiz waren die Heime nicht ausreichend vorbereitet. Zum Beispiel fehlte es an genügend geeignetem Schutzmaterial. Das Pflegepersonal, das gemäss den Umfrageresultaten von 2019 bereits im Normalbetrieb an seine Grenzen stösst, ging noch über seine Grenzen hinaus. In Krisensituationen, wie der aktuellen Corona-Pandemie, gefährdet dies die Bewohner/innen. Ein Zustand, der für die Beschäftigten untragbar ist und gegen ihre Berufsethik verstösst.

Die Probleme der Langzeitpflege

Die stationäre Langzeitpflege ist seit langem chronisch unterbesetzt. Das von der Politik beschlossene Finanzierungsregime führt zu tiefen Stellenplänen und parallel dazu zu massiven Fehlanreizen im Umgang mit dem Personal. Zum Beispiel bei den Arbeitszeiten, der durchgetakteten Pflegeplanung und den tiefen Löhnen. Infolge dessen sind die Heime als Arbeitgeber unattraktiv. Das bestehende Personal wird übermässig belastet und trägt daraus entstehende gesundheitlichen Folgen.

Viele Heime in einer Abwärtsspirale:

  • Wegen Personalmangel und der schlechten Arbeitsbedingungen steigen Fluktuation und Krankheitsausfälle.
  • Das verbleibende Personal ist dadurch mehr belastet. Das heizt die Personalfluktuation weiter an.
  • So können auf Dauer auch der Schutz und die gute Pflege der Bewohner/innen nicht mehr gewährleistet werden.

Diese Abwärtsspirale muss aufgehalten werden

Eine qualitativ hochstehende, gute Pflege zu gewährleisteten funktioniert nur mit genügend Personal, welches seinen Beruf langfristig ausüben kann und möchte. Dazu muss die Arbeit in der Langzeitpflege attraktiver gestaltet werden. Das Finanzierungsmodell muss sich an den Kriterien für eine gute Pflege und nicht an Effizienz und Wirtschaftlichkeit orientieren. 

Die Unia fordert deshalb:

  • Gute Arbeitsbedingungen: höhere Löhne, humanere Arbeitszeiten, Dienste besser planen, eine unterstützende und wertschätzende Führung sowie eine gesundheitsfördernde Arbeitsorganisation. Arbeitgeberverbände und weitere Parteien im Gesundheitswesen müssen dazu endlich einen Dialog auf Augenhöhe mit dem Personal und seinen Gewerkschaften eingehen.
  • Neuordnung der Pflegefinanzierung: Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, braucht es eine solide und kriterienorientierte Finanzierung guter Pflege, u.a. für höhere Stellenschlüssel und mehr Aus- und Weiterbildung auf allen Stufen.