Pflege und Betreuung

Eine junge Pflegerin mit einer alten Frau

Beschäftigte im Bereich der Langzeitpflege und Langzeitbetreuung arbeiten oft unter schlechten Arbeitsbedingungen. Personalmangel und Stress sind ein alltägliches Problem. Dies ist belastend und verunmöglicht eine gute Pflege.

Für eine gute Pflegequalität braucht es gute Arbeitsbedingungen für das Pflegefach- und Betreuungspersonal. Aber: Die Langzeitpflege befindet sich seit mehreren Jahren im Wandel. Durch den politischen Spardruck und seit der Einführung der neuen Pflegefinanzierung 2011 sind viele Betriebe verselbständigt und privatisiert. Ein Pflegeheim erhält zudem nur noch Geld, wenn ein Bett auch belegt ist.

Die Folgen: fehlende Work-Life-Balance, Druck und Stress

Pflegende müssen sehr flexibel sein, denn die Schwankungen in der Arbeitszeit haben massiv zugenommen. Die Arbeitgeber schicken ihr Personal nach Hause, wenn die Betten nicht ausgelastet sind. Fällt viel Arbeit an oder bei Krankheitsausfällen, werden Pflegende kurzfristig abgerufen. Darunter leidet das Familienleben und die Freizeit.

Stellenschlüssel sind an die Anzahl belegter Betten und Pflegestufen gebunden. Um das benötigte Personal einzustellen und diesem Betreuungsaufgaben zuweisen zu können braucht es genügend Reserven. Diese sind kaum vorhanden. Für die Pflegenden bedeutet das einen konstanten Personalmangel und unfaire Dienstpläne und Schichtsysteme.

Ausserdem: Die Zeit, die Pflegende für eine betreute Person aufwenden können, ist stark begrenzt. Dadurch wird die Arbeit intensiver, die Pflegequalität leidet und es führt zu mehr Stress.

Umfrage zeigt: Pflegende sehen schwarz

Diese Tatsachen belegt auch eine Umfrage, die die Unia im Winter 2018/19 unter Pflegenden der Langzeitpflege über ihren Arbeitsalltag durchgeführt hat. Die Ergebnisse sind: Die Mehrheit der Pflegenden will ihren Beruf verlassen oder ist unschlüssig. Sie fühlen sich körperlich und psychisch ausgelaugt, leiden unter Personalmangel, Spardruck und zu wenig Freizeit

Verbände, Personal und Gewerkschaften an einen Tisch

Wie kann man die Arbeitsbedingungen verbessern? Durch eine Neuordnung der Pflegefinanzierung. Es braucht eine Finanzierung, die nicht nur an die Belegung der Betten gebunden ist und die Entschädigungen für Pflegeleistungen müssen erhöht werden.

Arbeitgeberverbände müssen endlich einen Dialog auf Augenhöhe mit dem Personal und seinen Gewerkschaften eingehen. Nur mit vereinten Kräften können wir die Probleme der Branche, z.B. auch mit Hilfe von Gesamtarbeitsverträgen (GAV), aktiv lösen und auf politischer Ebene die Finanzierung verbessern. Das kommt auch den Patient/innen, Bewohner/innen oder Klient/innen zu Gute.

Betreuung von älteren und abhängigen Personen zu Hause

Das Betreuen von älteren und abhängigen Menschen zu Hause ist heute unentbehrlich. Trotzdem sehen die Behörden diese Tätigkeit noch immer als «der Hausarbeit ähnlich» an. Sie unterliegt deshalb lediglich dem Mindestlohn der Hauswirtschaft und untersteht nicht dem Schutz des Arbeitsgesetzes. Der Beruf ist schlecht geschützt, nicht anerkannt und die Arbeitsbedingungen sind oft miserabel. Das muss sich ändern. Weitere Informationen zur Betreuung zu Hause (Hauswirtschaft)

Eine Gewerkschaft für alle

Um Verbesserungen durchsetzen zu können und Lösungen zu finden, müssen wir stark sein. Und wir müssen viele sein. Je mehr Pflegende Mitglied der Unia sind, desto einflussreicher ist unsere Bewegung für eine gute Pflege mit guten Arbeitsbedingungen und desto besser ist unsere Verhandlungsposition. Nur gemeinsam sind wir stark!

Alle Beschäftigten aus der Langzeitpflege und der Langzeitbetreuung können Unia-Mitglied werden und sich gewerkschaftlich organisieren. Egal, ob Fachperson Gesundheit, diplomierte Pflegefachperson, Pflegehelfer/in, Hauswirtschafter/in, Reinigungspersonal, Koch, Köchin etc.

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